FSJ in Santa Cruz de la Sierra

FSJ in Santa Cruz de la Sierra

Dienstag, 22. März 2011

Tarde de Talentos

Vor kurzem haben wir uns für die Kinder etwas ganz besonderes ausgedacht, weil wir fanden, dass einmal wieder eine Aktivität veranstaltet werden sollte:“ Tarde de Talentos“. Die Idee war, dass die Ninos ihren Gedanken einfach mal freien Lauf lassen konnten, sich mit anderen zusammengeschlossen haben, um dann eine kleine Show abzuliefern. Es war alles recht gut geplant, aber wie immer wurde es dann doch am Ende echt knapp. Es standen 8 Acts auf dem Programm, darunter Tänze, Sketches, Wettessen und kleine musikalische Einlagen.

Die „Tarde de Talentos“ sollte, wie schon der Name schon sagt mittags beginnen, begann dann aber aufgrund von Verspätung der Hermana erst gegen 6 Uhr, wurde also wie auch vorher angedacht zu einer „Noche de Talentos“. Im Vorhinein hatten wir Verantwortlichen uns auch einige Ideen einfallen lassen – wir wollten den Alltag eines Kindes aus dem Hogar nachspielen. Aus diesem Grund haben wir schon Tage vorher damit angefangen einzelne Szenen, wie das Aufstehen, Merienda oder das Mittagessen zu filmen. Zusätzlich wurde dann noch von uns der Ruf zum Rosario, leider meistens mit einem Stock, das Verschwinden durch die Lavanderia oder das Klettern auf die Dächer nachgestellt. Wir hatten das Video auch rechtzeitig fertig, dieses wurde dann jedoch fast aufgrund eines technischen Fehlers zunichte gemacht (aus diesem Grund war es echt praktisch, dass die Hermana sich so viel Zeit beim Brot holen gelassen hat).

Die eingeübten Stücke waren echt sehenswert und vor allem hat man gemerkt, dass sich die Jungs und Mädchens richtig Gedanken gemacht hatten, um auch ja nicht am Ende schlecht dazu stehen. Auch Simon und ich hatten uns eine Kleinigkeit, die dann durch eine spontane Idee des neuen Profes Sergio vervollständigt wurde, ausgedacht, indem wir ein bisschen auf Trommel und großem Wassertank Rhythmen gespielt haben, während Sergio sich im „Robotstil“ oder durch Kunstturnen dazu bewegt hat.

Das wichtigste für mich war, dass die Kinder endlich einmal ihre Kreativität ausleben konnten und das auch voll und ganz ausgenutzt haben, weil sonst leider nicht so viel Zeit für einzelne Talente bleibt.

Montag, 7. Februar 2011

Palmasola

Es ist nun doch schon einige Zeit her, dass ich den letzten Blogeintrag verfasst habe, aber ich muss unbedingt noch über ein Erlebnis erzählen, dass schon vor der Weihnachtszeit passierte - ich hatte dann auch endlich, als letzter von uns Freiwilligen, die Möglichkeit, das Gefängnis, aus dem die meisten Kinder aus dem Heim kommen, zu besuchen. Wie immer mit ein bisschen Verspätung ging es nach dem Mittagessen mit der Psychologin Dixa und vier Heimkinder, Birma und Angelica und Miguel Angel und David, auf die knapp 90-minütige Fahrt nach Palmasola, dem wohl außergewöhnlichsten Gefängnis der Welt.
Das Gefängnis sieht von außen wie ein richtiger Hochsicherheitstrakt aus mit hohen, unüberwindbaren Mauern, besetzten Wachtürmen und Stacheldraht. Der Schein trügt manchmal jedoch, denn am Eingang des Gefängnis wurden nur unsere Personalien abgeglichen, da jeder Besucher vorher angemeldet werden muss, bevor man ohne elektronische Kontrolle, nicht einmal das Abtasten wurde vorgenommen, hineingelassen wurde. Das hat mich bei so einem Gefängnis doch ein bisschen verwundert, denn ich hätte ohne Weiteres alles mit mir hineinschmuggeln können. Im Nachhinein wurde mir erzählt, dass die Polizisten dadurch selber am Schmuggel verdienen, der etwas ganz Normales in Palmasola ist.
Das Gefängnis im Inneren lässt sich in drei Bereiche einteilen, den Frauentrakt, den Männertrakt und den Hochsicherheitstrakt „Canchocorito“. Nachdem die erste „Sicherheitsstufe“ überwunden und auch den ersten Stempel bekomme hatte, wurden die beiden Jungen bei ihrem Vater im Hochsicherheitstrakt abgeliefert, der meinen Vorstellungen mit denen in Deutschland zu vergleichen sind. Draußen sitzen die Wärter und drinnen können sich die Häftlinge sich auf einem kleinen Vorplatz mit Swimmingpool, Hängematten und Getränken den Tag vertreiben. Von Simon, der sogar schon einmal hineingehen konnte, habe ich gehört, dass jeder Häftling seine eigene Zelle hat, wo er wohnt. Am Tor wurden dann noch eben unter „Geheimhaltung“ die Handynummern zwischen dem Vater und Dixa ausgetauscht, denn eigentlich sind Handys, Waffen und alle möglichen elektronischen Geräte untersagt, aber werden allg. genehmigt. Nach dem kurzen Aufenthalt dort, ging es weiter zum Frauentrakt, der eigentlich bis auf den Zaun, nicht einem Gefängnis ähnelte. Durch den Eingang geschritten stand man schon fast auf einer Art Plaza, wo es Sitzmöglichkeiten und einige Stände gab und eine Turnhalle, in der an diesem Tag eine Auszeichnung für die Frauen gab, die eine Lehre im Gefängnis absolviert hatten. Wir fanden wir die Mutter der beiden Mädels und man hat schon allein an der Begrüßung der Älteren bemerkt, dass sie sich nicht wirklich wohlfühlte und sie hat mir auch angedeutet, dass sie eigentlich nicht hier sein möchte. Irgendwie ein bedrückendes Gefühl in dem Moment nichts machen zu können. Eigentlich war unser Ziel an diesem Tag ein bisschen Werbung für das kommende Jahr im Hogar zu machen, da viele der Kinder das Heim für immer verlassen hatten, aber daraus wurde jedoch nichts. Aus diesem Grund gingen Simon und ich weiter fleißig auf Stempelsuche. Am Männertrakt hatten wir mit unserem Ziel, Werbung zu machen, mehr Erfolg, denn wir konnten uns mit dem „Gefängnisleiter“ unterhalten, der unserem Projekt genau zuhörte und versprach bis zur nächsten Woche seine Mithäftlinge darüber zu unterrichten. Ich habe es, glaube ich, bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht erwähnt, aber sobald man einen Trakt betritt, wird man hinter den Toren keinen Wächter mehr finden, denn dahinter regieren sich die Häftlinge nach einem ganz einfachen Prinzip. Derjenige, der am meisten Geld hat, und das sind meistens die Drogenbosse, haben das Kommando und bestimmen die Regeln im Gefängnis. Es herrscht also eine Art Anarchie. Im Männertrakt gibt es einzelne „Seguridads“ (8 Stück, eine Gruppe besteht aus 25 – 30 Mann), die dafür bestimmt sind, bestmöglich darauf aufzupassen, dass die Häftlinge sich an die Regeln halten, es nicht gestohlen, gemordet oder keine Revolution angezettelt wird. Man muss wissen, dass häufig nur ein Elternteil inhaftiert wird, es aber für die ganze Familie wesentlich schwerwiegender ist, wenn es den Vater trifft, denn meistens muss dann gleich die ganze Familie mit nach Palmasola ziehen, da die Mutter sich und ihre Kinder außerhalb nicht alleine ernähren kann. Aus diesem Grund wurde auch das Heim „Hogar de la Esperanza“ gebaut, womit wenigstens die Kinder in einem sicheren Ort aufwachsen können, bis ihre Eltern ihre Strafe abgesessen haben.
Simon und ich hatten dann noch ein wenig „Freizeit“, da sich die Psychologen Dixa und Ruth noch persönlich mit einigen Häftlingen unterhalten wollten. Wir beiden nutzten die Zeit, um das Gefängnis genauer zu erkunden. Man muss sich den Männertrakt wie eine Filmstadt von Santa Cruz vorstellen. Überall sind die Straßen ein bisschen enger, die Häuser ein bisschen kleiner, aber es gibt die gleiche Auswahl an Restaurants, zwei „canchas“ und etliche Tiendas, wo man alles findet. Die Leute, die auch Geld haben, kann es hier richtig gut gehen. Als wir dann von der asphaltierten Straße abwichen, wurde es wesentlich dreckiger, in den Häuser häuften sich die Menschen und ich habe einen gewissen Tunnelblick bekommen, als dann noch ein Häftling mit ziemlich zerlumpten Kleidung uns durch die letzten Ecken von dem Gefängnis geführt hatte, wo wir auf einmal hineingeraten waren. Überall saßen die Menschen zwischen dem Müll, schauten uns mit komischen Blicken an und wir waren heilfroh, als wir die „Cancha“ wieder vor uns hatten. Kurz darauf holten wir dann die beiden Mädels und Jungs ab und nahmen noch einen Jungen aus Männertrakt mit, der nun bei uns im Hogar zusammenlebt.
Um einen mit Stempeln und mysteriösen Zeichen verzierten Arm und viele, leider auch erschreckende Eindrücke, reicher, verließen wir nun endgültig Palmasola.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Weihnachten 2011 - ein echt spontanes Fest

Zu diesem Zeitpunkt komme ich dann zum 24. Dezember, auf den man sich dann doch etwas schneller hinzubewegt hatte, als gedacht. Ich muss sagen, dass die Adventszeit dieses Mal wesentlich schneller herumging als gedacht und es wesentlich schwieriger ist Geschenke für 30 und mehr Leute als für die eigene Familie zu finden, an die man schon Mitte Oktober denken musste. In den letzten beiden Tagen stand deshalb für alle von uns, vor allem für mich, da ich die bolivianische Gelassenheit schon ziemlich intus habe, einiges auf dem Programm. Noch immer waren nicht alle T-Shirts für die Kinder bemalt, hatte man weder Ideen, geschweige denn Geschenke für die anderen Volontäre oder die Profes und wir hatten uns vorher darauf geeinigt, allen anderen Mitarbeitern und den Schwestern ebenfalls kleine Geschenke zu überbringen. Da wir schon vorher einige Male Plätzchen gebacken hatten, wurden die Mitarbeiter mit drei unterschiedlich Plätzchen beschenkt (700 Ausstecher, die wahlweise mit Streuseln oder Schokolade bestrichen wurden, „Marmeladenrollen“ und Marzipankartoffeln). An Heiligabend selber habe ich noch einige Geschenke fertig stellen und einpacken müssen, da mir die Zeit davongerannt war.
Wir wollten diese Nacht auch etwas ganz besonderes für die Kinder machen, und da das Essen in Bolivien immer an oberster Stelle steht, wollten wir Schwein und Hühnchen grillen und dazu unterschiedliche Salate, Yukka und Reis anrichten. Bis auf das Fleisch und den Yukka, den Claudia und ich noch an Heiligabend am Terminal abholen mussten, weil dies von der Schwester von Lorenzo per „Flota“ eingefahren worden war, hatten wir alle Einkäufe in den Vorweihnachtstagen erledigt. Alles war eigentlich genau durchgeplant: um 18 Uhr mit der Zubereitung der Salate und dem Anzünden der Kohlen beginnen, entweder um 20 oder 22 Uhr den Gottesdienst besuchen, um Mitternacht ein Feuerwerk abfeuern und danach Geschenke verteilen. Bis auf das Vorletzte klappte nichts, wie es eigentlich sein sollte. Da die Profes selber auch noch an Heiligabend (alle Geschäfte haben ganz normal geöffnet und man konnte noch am Abend selber an der Tienda an der Ecke Bier kaufen) auf Einkaufstour waren, wurde mit der Zubereitung erst gegen halb neun angefangen. Da auch die Schwester nicht aufzufinden war, wurde die 20 Uhr Messe gestrichen und nur die Ältesten besuchten in die 22 Uhr Messe (ich habe es augrund der Essenzubereitung gar nicht geschafft in die Kirche zu kommen). Meine Aufgabe bestand darin die Kohlen auf dem Betonboden anzuzünden, denn es gab kein echten Grill, sondern nur ein Rost, der auf Steine gelegt wurde. Dies stellte sich jedoch als wesentlich schwieriger heraus als gedacht, da es ziemlich windete und das Feuer eine große Attraktion für die Kinder war, die, während ich versuchte sie von dem Grill fern zu halten, an der Glut ihre Feuerwerkskörper, die sie von der Hermana bekommen hatten, anzuzünden. (ich fand es ein bisschen gefährlich, wenn fünf-jährige mit Teppichen und Chinaböllern hantierten und diese ohne zu gucken, durch die Gegen warfen). Als dann endlich eine vernünftige Glut zustande gebracht worden war und die ersten Fleischbrocken (es gab keine Koteletts, sondern zwei - drei Kilogramm schwere Stücke, die nachher kleingeschnitten wurden) aufgelegt worden waren, fing es an zu regnen. Aus diesem Grund luden wir die heißen Kohlen auf Backbleche und stellten sie unter die Überdachung, was sich später als nicht so schlau herausstellte, denn die Keramikplatten zersprangen. Als dann endlich die ersten genießbaren Stücke Fleisch gegen elf Uhr fertig waren, lagen die meisten Kinder schon mit dem Kopf auf den Tischen und waren eingeschlafen. Wir weckten dann alle Eingeschlafenen und servierten das Essen, das, obwohl wir echt lange warten mussten, richtig gut schmeckte. Um Punkt 12 wurde dann das eingekaufte Feuerwerk abgefeuert und man umarmte und beglückwünschte sich mit „Felicidades“, was man mit unseren Neujahrwünschen gleichsetzen konnte. Da die Kinder vollkommen erschöpft waren, gab es für diese erst am nächsten Tag die Bescherung. Wir Volontäre zogen uns in unser „cuarto“ zurück und begannen unseren Haufen, der echt den ganzen Tisch, den wir vorher noch mit unserem Adventskranz und einem „Mini-Plastickbaum“ beschmückt hatten, bedeckte, nacheinander auszupacken. Obwohl ich soweit weg von der Heimat war, hatte man nun doch bei immer noch 26 Grad eine richtige Weihnachtsstimmung. Von den anderen habe ich einen Kräuterlikör, einen Schlafsack, ein Hemd, einen Bierkuchen und ein Taxischild, das ich auch Simon geschenkt hatte, bekommen. Simon und ich haben dann noch eine beschriftet Styroporkiste bekommen, in der wir unser gekühltes Bier aufbewahren können. Gegen zwei Uhr hatten wir auch alle Geschenke ausgepackt und haben uns zu den einzigen zwei noch wachen Personen, Claudia und Lorenza, gesetzt und ihnen die Geschenke überreicht. Von den beiden habe ich dann noch ein Hemd, ein Poloshirt, eine Kette und einen Schlüsselanhänger geschenkt bekommen. Simon und ich sind dann noch mit der neuen „Bierkiste“ bis fünf Uhr morgens geblieben, obwohl wir am nächsten Morgen um sieben Uhr schon wieder bei den Babys aushelfen mussten, da das Personal im Urlaub war.
Ich kann auf jeden Fall sagen, dass es ein richtig schönes, spontanes und typisches bolivianisches Weihnachtsfest war, dass statt Sonne oder Schnee, Regen zu bieten hatte und ich mich wie in einer zweiten Familie gefühlt habe. ¡Feliz Navidad!

Den Grill auf Temperatur bringen


Die Kinder warten sehnsüchtig auf das Essen.



So gegen 11 gab es dann doch noch etwas.

Feuerwerk an Heiligabend?


Vollgepackter Weihnachtstisch

Simon und ich hatten dieselbe Idee: ein Taxischild!



Enorm starke Gummistiefel

Die „ruhige“ Adventszeit

Wie man es auch aus Deutschland kennt, kommt das Weihnachtsfest dann doch in einem atemberaubenden Tempo auf einen zugeschossen, denn die Adventszeit, die immer 24 Tage hat, ist meistens doch schneller vorbei, als man es sich vorstellen kann. So erging es auch uns Volontären hier im heißen Bolivien.
Es fing alles mit der Vorbereitung der Geschenke für die Kinder an, bei denen einige am 5. Dezember, andere am 10. Dezember und wieder andere am 17. Dezember entweder über die Ferien oder für immer zu ihren Familien gehen sollte. Wir hatten im Vorhinein eine Liste von den Ninos bekommen, die sich an den genannten Tagen aus dem Heim verabschieden sollten, wobei sich diese später als vollkommen nutzlos herausstellte, denn es kamen am Ende doch vollkommen andere Eltern zu den „Abholzeiten“, als uns vorher bekannt war. Das wussten wir natürlich nicht und fingen eigentlich recht früh mit dem Bemalen von T-Shirts, beschreiben und bekleben von Karten und dem Einpacken von den Weihnachtsgeschenken an. Simon und ich mussten extra noch eine Nachtschicht (bis 4 Uhr morgens den Pinsel in der Hand halten) vom vierten auf den fünften einlegen, weil wir es sonst nicht geschafft hätten, alles rechtzeitig fertig zu bekommen. Wir waren also voller Zuversicht, dass wir alle Geschenke für die Kinder vorbereitet hatten, aber wir hatten mal wieder die Spontaneität der Bolivianer außer Acht gelassen und wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Leider hatten wir dann für einige Kinder kein Geschenk, dass wir ihnen in die Hand hätten drücken können, was echt traurig war. Was uns weiterhin ein bisschen fraglich vorkam, betraf das „Reunieren“ mit den Familien, bei denen viele Eltern oder Familienangehörige erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen worden waren. Die meisten Kinder waren zwar ein bisschen traurig, ihre Freunde, die Profes, uns und auch das Heim hinter sich zu lassen, aber sie waren auch voller Freude endlich wieder mit ihren Familien zusammen zu sein. Leider gab es auch ein paar Ausnahmen in denen die Kinder eigentlich nicht mit den Eltern, Onkel, Tanten oder Großmüttern zusammenziehen wollten, weil sie entweder schlechte Erfahrung hatten oder es ihnen auf jeden Fall besser im Heim gefällt. In manchen Fällen haben die Schwestern die Kinder aus Schutz auch nicht mit gewissen Eltern gehen lassen, weil sie ihnen skurril vorkamen, was ich echt eine gute Entscheidung fand, denn einige Gestalten sahen keines Falls vertrauenswürdig aus. Sie schienen sich auch irgendwie nicht richtig zu freuen, endlich wieder ihr Kind zu sehen. Vor allem eine Vater ist mir in Erinnerung geblieben, der sich vor das Sekretariat in einen Stuhl niedergelassen hat und die ganze Zeit durchgeschlafen hat, ohne auch nur einmal aufgeschaut zu haben (ich vermute, dass er noch vollkommen alkoholisiert war).
Neben diesen traurigen Momenten des Abschieds gab es aber auch etliche “Paseos” (Ausflüge) zu unterschiedlichen Veranstaltungen. Wir haben den “Acto navideno” der Stadt Santa Cruz besucht, wo zwei bekannte Jugendfernsehmoderatoren abwechselnd mit Künstler eine Show geliefert haben. Wir waren bei einer Universität aus der Nähe eingeladen, die Tanzspiele und ein Theaterstück inszeniert hatte und haben mit der ganzen Gruppe einen riesigen Weihnachtsbaum mit “selbstgebastelten” Christbaumschmuck aus Plastikflaschen (den hatten wir und die Profes den Tag vorher angefertigt) behängt. Auf den Exkursionen wurde man von dem Veranstalter sowohl mit Essen als auch mit Weihnachtsgeschenken für die Kinder vollgestopft, wobei letzteres meistens noch am Tag selber wieder zerstört wurde - die Jungs haben ihre Spielzeugautos durchs “Zusammencrashen” und die Mädels ihre Babypuppen durch das Abreißen von jeglichen Gliedmaßen kaputt bekommen. Vor allem in der Weihnachtszeit denken die Menschen immer daran Kleidung oder aussortierte Spielsachen an Heime abzugeben, was auch hier der Fall war. Fast zweimal Wöchentlich kamen reiche Leute aus Santa Cruz, das konnte man an den Autos feststellen, und haben eine “Donation” abgegeben. Beim Aussortieren konnte man jedoch meistens die Hälfte der Kleidung nicht gebrauchen, da sie entweder viel zu groß oder mit einigen Löchern versehen waren.

Divino Nino Jesus

Vor ein paar Wochen ist die gesamte Gruppe der Divino Ninos und Maria Reina aufgrund des Geburtstags des Divino Nino Jesus zu einer Familie aus dem Barrio eingeladen worden. Mir wurde zunächst gesagt, dass wir zu einem Eis eingeladen sind, was sich jedoch später als vollkommen untertrieben herausgestellte. Mit einem Pick-Up wurden die zwei Gruppen, die Profes und ich aufgeladen, um uns vier Blocks weiter vor dem Haus der Gastgeber wieder abzuladen. Ich hatte erst Angst, dass nicht alle Kinder hier Platz finden würden, denn das Haus bestand nur aus zwei Zimmern und einem Innenhof, aber ich irrte mich, denn es haben sich einfach zwei oder drei Kinder einen Stuhl geteilt. Für den Geburtstag des Dvino Nino Jesu wurde ein beschmückter Altar aufgebaut, an dem etliche T-Shirts und andere Preise, die man durch später durchgeführte Spiele gewinnen konnte, hingen. Zunächst einmal wurde jedoch zum Anlass des Cumple drei Rosenkränze, ein paar Ave Marias und das Vaterunser gebetet. Nachdem wir dann nach 15 Minuten fertig gebetet hatten, wurde die erste Runde Essen verteilt - Soda und Gelatine. Den ganzen Nachmittag und Abend ging es dann so weiter. Immer wieder unterbrechend durch Beten und Spiele für die Kinder (Eierlaufen, Reise nach Jerusalem, irgendwelchen Hüpf- und Tanzspiele und das laufen auf einem fiktiven Laufsteg, was vor allem bei uns Zuschauern zu einigen Lachkrämpfen führte) wurden wir mit Essen vollgestopft. Es gab Torte, Hotdogs, Kuchen, Empanadas, Cunapes, Soda, Wackelpudding usw. Am Ende des Abends habe selbst ich es nicht mehr geschafft, das Abendessen im Heim herunterzubekommen. Die Kinder waren meistens schon nach der zweiten Runde Essen vollkommen erschöpft, weshalb wir auf dem Heimweg singend und vollgepackt mit Plastiktüte auf den Hogar zusteuerten.
Ich war von der Familie richtig angetan, denn so eine Gastfreundschaft würde man in Deutschland nirgendwo finden. Meinem Eindruck nach zu urteilen, ging es den Gastgebern finanziell selber nicht so gut, aber trotzdem haben sie den Kindern zu Liebe diesen unvergesslichen Geburtstag mit reichlich Essen und Geschenken veranstaltet. Diese Mentalität und die Uneigenützigkeit der Menschen begeistert mich immer wieder und würde ich auch gerne für mich nach Deutschland mitnehmen.

Dienstag, 30. November 2010

Eine anstregende Woche

Vor ca. zwei Wochen hatten wir bei uns im Hogar zwei große Ereignisse, die gebührend gefeiert werden mussten - Aniversario (Geburtstag) des Heimes und die Promotion der Kinder. Diese Events erforderten natürlich auch von uns vollkommene Bereitschaft, weshalb wir auch sehr stark in das Programm eingespannt waren.
Am Mittwoch fand das 11. Aniversario des Heimes statt, wofür schon zwei Wochen vorher der gesamte Hogar auf Hochglanz gebracht wurde. Dies hieß, dass in allen Beeten Unkraut gezupft wurde, die Büsche gestutzt wurden, niedliche Steine weiß angestrichen und um die Beete gelegt wurden und der Comedor für zwei Tage nicht mehr betreten werden durfte, wodurch alle Mahlzeiten draußen eingenommen werden mussten. Sowohl für das Aniversario als auch für die Promotion wurden die einzelnen Klassenräume hergerichtet, was bedeutete, dass ich für meine Vorschulgruppe alle Ordner bestehend aus mehr als 250 Arbeitsblättern nach einem angeblich richtigen System lochen und sortieren durfte. Des Weiteren wurden alle je von den Kindern gebastelten, gemalten oder gehäkelte Gegenstände aus dem ganzen Jahr ausgestellt (es war echt eine Höllenarbeit, aber meine Profe und ich haben es doch noch rechzeitig geschafft). Am großen Tag selber wurden alle Kinder in ihre beste Kleidung gesteckt und es fand nachmittags eine Messe statt, wo auch die Frauen von „Asumer“, ein Spenderkreis, der das Heim unterstützt, dran teilnahmen. Nach dem festlichen Akt wurden dann noch die hergerichteten Klassenräume vom Besuch inspiziert, bevor es zum Essen ging. Es gab eine große Torte und Soda (Cola, Fanta, Sprite). Wir Freiwilligen hatten uns eigentlich etwas mehr erhofft, weil uns schon lange vorher von dem Jahr davor berichtet wurde, wo es wohl Hühnchen und alle möglichen Leckereien gegeben haben soll, aber es lag vielleicht doch eher an dem runden Geburtstag. Ebenfalls etwas schade fand ich es, dass die Kinder warten mussten, bis der Besuch alle Klassenzimmer angeschaut hatte, bevor es zum Essen ging. Hier durften sich die älteren Herrschaften dann schon einmal an die gedeckten Tische setzen und als die Kleinen dann auch endlich das Essen vor sich hatten, verabschiedeten sich schon die Frauen aus der gehobenen Gesellschaft. In dem Moment hätte ich mich echt aufregen können, weil ich es eine Frechheit fand, die Kinder über 20 min warten zu lassen, bevor sie sich auch zum Essen begeben konnten. Aber vielleicht ist das ein Zeichen der Gastfreundschaft, die die Bolivianer so pflegen.



















Am Freitag fand stand dann das nächste Großereignis auf dem Programm - Promotion des Vorschulkurses Kinder, die im folgenden Jahr dann die erste Klasse besuchen dürfen. Hierfür wurden wir Volontäre schon Wochen vorher befragt, ob wir nicht ein Teil der Kosten mittragen möchten. Wir einigten uns darauf, die Kinder aus dem Heim finanziell zu unterstützen, da wir es nicht einsahen, auch die Kinder von außerhalb zu finanzieren - ich meine 100 Bolivianos pro Kind sind schon eine Stange Geld, wenn man bedenkt, dass insgesamt 25 daran teilnahmen. Dieses Geld wurde vor allem für die schicke Kleidung (Hut, Robe und Krawatte, wie in den amerikanischen Promotionen), Getränke, Essen und das Highlight, ein Bild auf dem alle Kinder, die Profesora und die Spender, darunter auch wir, auf einem kitschigen Hintergrund zu sehen waren, verwendet.
Am Abend vor der Promotion, welche in der Kapelle stattfinden sollte, wurde diese noch nach dem Motto „Wunderland“ hergerichtet, was hieß, dass etliche Styroporfiguren, Blumen und Bäume aufgestellt wurden, was am Ende ziemlich kitschige aussah, aber meiner Profe ähnlich sah. Die Verleihung selber fand wie in amerikanischen Filmen ab. Zunächst gingen die Pre-Kinder nach vorne und nahmen auf der Tribüne Platz. Die Ausgezeichneten wurden dann entweder von ihren Eltern oder uns Freiwilligen nach vorne geleitet, dort mit einem Handschlag und einer Umarmung von den Pre-Kindern begrüßt und zum Schluss von der Profe gratuliert, die dann auch noch jedem einzelnen dieses Bild als Andenken, das Zeugnis und eine Blume übergab. Während der gesamten Zeit liefen die Zuschauer durch die Gegend, schossen wie verrückt Fotos, um diesen einen besonderen Moment ihres Kindes festzuhalten, und versuchten durch Gesten ihre Kinder, die vorne auf der Bühne Platz genommen hatten, zu züchtigen, was in keins der Weise funktionierte. Zum Ende hin trugen sowohl die Pre-Kinder als auch Kinder ein Lied und ein Gedicht vor, was Wochen vorher im Unterricht bis zum Erbrechen auswendig gelernt worden war, und es wurde nach einer kleinen Rede der Profesora eine große Fotografie mit allen Promovierenden an das Heim übergeben. Als dann die Feierlichkeiten zu Ende waren wurden noch Fotos von den Kindern geschossen und im Nachhinein bereute ich es ein bisschen, dass ich eine Kamera dabei gehabt hatte, denn alle Eltern, die keine besaßen, kamen zu mir, um zu fragen, ob ich denn nicht ein paar Fotos von ihren Schützlingen schießen würde (meistens kam dann ein Solofoto, eines mit den Geschwistern, eines nur mit Bruder oder Schwester, eines mit Oma, eines mit Großeltern, und allen anderen sich vorstellbaren Konstellationen dabei heraus). Die Promotion endete dann mit dem Verspeisen von den Sodas und Saltenas.







































Parque Amboró

Letztes Wochenende haben sich mal wieder vier Maz, dieses Mal Katha, Simon, Sunny und ich uns auf den Weg nach Samaipata gemacht. An diesem Wochenende sollten jedoch keine alten Ruinen und auch keine Wasserfälle, sondern der drittgrößte Nationalpark Boliviens erkundet werden. Samstagmorgen wollten wir eigentlich die Tour planen, damit wir uns Sonntag ausruhen konnten, aber das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schon in der Nacht fing es aus allen Eimern heraus zu gießen, was sich leider bis in den Nachmittag des nächsten Tages hineinzog. Alle Touranbieter versicherten uns, dass man an dem heutigen Tag keine Chance hätte den Park zu betreten. Wir entschieden uns also gezwungenermaßen den Tag anderweitig zu gestalten. Wir lasen Bücher, spielten Libretto & Co und genossen es endlich mal wieder einen funktionierenden Ofen zu haben. Aus der Not heraus backten wir zwei uns noch bekannte Gerichte aus Deutschland - meine Spezialität Kartoffelgratin und Nudelauflauf.

Am Sonntag ging es dann in den Dschungel, um genauer zu sein in subtropisches Gebiet, um uns die Farne im Parque Amboró anzugucken. Um neun Uhr morgens fuhr unser kleiner Reisebus, der neben uns noch mit einem Reiseführer und 2 Engländern bestückt war, los. Im Park selber, der gute 30 min. von Samaipata beginnt, haben wir dann 6 Stunden damit verbracht, uns auf teilweise sehr glitschigem Boden bergauf und bergab zu bewegen, um uns Farne, verschiedene Tiere (Vogelspinne, Würmer, Vögel und Frösche) und die wunderschöne Landschaft zwischen den Baumgipfeln anzuschauen. Mit dem „Führer“ hatten wir richtig Glück, denn er war die ganze Zeit richtig gut drauf, hat einen Witz nach dem anderen gerissen und kannten sich nebenbei noch mit der Flora und Fauna aus. Da der Weg zu rutschig war, hat sich jeder mindestens einmal „gemault“, was eigentlich ein Cerveza am Abend bedeutet hätte. Nach den paar Stunden im Dschungel ging es dann abends wieder auf den Heimweg und diesmal hat sich auch keiner beklauen lassen.