Zu diesem Zeitpunkt komme ich dann zum 24. Dezember, auf den man sich dann doch etwas schneller hinzubewegt hatte, als gedacht. Ich muss sagen, dass die Adventszeit dieses Mal wesentlich schneller herumging als gedacht und es wesentlich schwieriger ist Geschenke für 30 und mehr Leute als für die eigene Familie zu finden, an die man schon Mitte Oktober denken musste. In den letzten beiden Tagen stand deshalb für alle von uns, vor allem für mich, da ich die bolivianische Gelassenheit schon ziemlich intus habe, einiges auf dem Programm. Noch immer waren nicht alle T-Shirts für die Kinder bemalt, hatte man weder Ideen, geschweige denn Geschenke für die anderen Volontäre oder die Profes und wir hatten uns vorher darauf geeinigt, allen anderen Mitarbeitern und den Schwestern ebenfalls kleine Geschenke zu überbringen. Da wir schon vorher einige Male Plätzchen gebacken hatten, wurden die Mitarbeiter mit drei unterschiedlich Plätzchen beschenkt (700 Ausstecher, die wahlweise mit Streuseln oder Schokolade bestrichen wurden, „Marmeladenrollen“ und Marzipankartoffeln). An Heiligabend selber habe ich noch einige Geschenke fertig stellen und einpacken müssen, da mir die Zeit davongerannt war.
Wir wollten diese Nacht auch etwas ganz besonderes für die Kinder machen, und da das Essen in Bolivien immer an oberster Stelle steht, wollten wir Schwein und Hühnchen grillen und dazu unterschiedliche Salate, Yukka und Reis anrichten. Bis auf das Fleisch und den Yukka, den Claudia und ich noch an Heiligabend am Terminal abholen mussten, weil dies von der Schwester von Lorenzo per „Flota“ eingefahren worden war, hatten wir alle Einkäufe in den Vorweihnachtstagen erledigt. Alles war eigentlich genau durchgeplant: um 18 Uhr mit der Zubereitung der Salate und dem Anzünden der Kohlen beginnen, entweder um 20 oder 22 Uhr den Gottesdienst besuchen, um Mitternacht ein Feuerwerk abfeuern und danach Geschenke verteilen. Bis auf das Vorletzte klappte nichts, wie es eigentlich sein sollte. Da die Profes selber auch noch an Heiligabend (alle Geschäfte haben ganz normal geöffnet und man konnte noch am Abend selber an der Tienda an der Ecke Bier kaufen) auf Einkaufstour waren, wurde mit der Zubereitung erst gegen halb neun angefangen. Da auch die Schwester nicht aufzufinden war, wurde die 20 Uhr Messe gestrichen und nur die Ältesten besuchten in die 22 Uhr Messe (ich habe es augrund der Essenzubereitung gar nicht geschafft in die Kirche zu kommen). Meine Aufgabe bestand darin die Kohlen auf dem Betonboden anzuzünden, denn es gab kein echten Grill, sondern nur ein Rost, der auf Steine gelegt wurde. Dies stellte sich jedoch als wesentlich schwieriger heraus als gedacht, da es ziemlich windete und das Feuer eine große Attraktion für die Kinder war, die, während ich versuchte sie von dem Grill fern zu halten, an der Glut ihre Feuerwerkskörper, die sie von der Hermana bekommen hatten, anzuzünden. (ich fand es ein bisschen gefährlich, wenn fünf-jährige mit Teppichen und Chinaböllern hantierten und diese ohne zu gucken, durch die Gegen warfen). Als dann endlich eine vernünftige Glut zustande gebracht worden war und die ersten Fleischbrocken (es gab keine Koteletts, sondern zwei - drei Kilogramm schwere Stücke, die nachher kleingeschnitten wurden) aufgelegt worden waren, fing es an zu regnen. Aus diesem Grund luden wir die heißen Kohlen auf Backbleche und stellten sie unter die Überdachung, was sich später als nicht so schlau herausstellte, denn die Keramikplatten zersprangen. Als dann endlich die ersten genießbaren Stücke Fleisch gegen elf Uhr fertig waren, lagen die meisten Kinder schon mit dem Kopf auf den Tischen und waren eingeschlafen. Wir weckten dann alle Eingeschlafenen und servierten das Essen, das, obwohl wir echt lange warten mussten, richtig gut schmeckte. Um Punkt 12 wurde dann das eingekaufte Feuerwerk abgefeuert und man umarmte und beglückwünschte sich mit „Felicidades“, was man mit unseren Neujahrwünschen gleichsetzen konnte. Da die Kinder vollkommen erschöpft waren, gab es für diese erst am nächsten Tag die Bescherung. Wir Volontäre zogen uns in unser „cuarto“ zurück und begannen unseren Haufen, der echt den ganzen Tisch, den wir vorher noch mit unserem Adventskranz und einem „Mini-Plastickbaum“ beschmückt hatten, bedeckte, nacheinander auszupacken. Obwohl ich soweit weg von der Heimat war, hatte man nun doch bei immer noch 26 Grad eine richtige Weihnachtsstimmung. Von den anderen habe ich einen Kräuterlikör, einen Schlafsack, ein Hemd, einen Bierkuchen und ein Taxischild, das ich auch Simon geschenkt hatte, bekommen. Simon und ich haben dann noch eine beschriftet Styroporkiste bekommen, in der wir unser gekühltes Bier aufbewahren können. Gegen zwei Uhr hatten wir auch alle Geschenke ausgepackt und haben uns zu den einzigen zwei noch wachen Personen, Claudia und Lorenza, gesetzt und ihnen die Geschenke überreicht. Von den beiden habe ich dann noch ein Hemd, ein Poloshirt, eine Kette und einen Schlüsselanhänger geschenkt bekommen. Simon und ich sind dann noch mit der neuen „Bierkiste“ bis fünf Uhr morgens geblieben, obwohl wir am nächsten Morgen um sieben Uhr schon wieder bei den Babys aushelfen mussten, da das Personal im Urlaub war.
Ich kann auf jeden Fall sagen, dass es ein richtig schönes, spontanes und typisches bolivianisches Weihnachtsfest war, dass statt Sonne oder Schnee, Regen zu bieten hatte und ich mich wie in einer zweiten Familie gefühlt habe. ¡Feliz Navidad!
FSJ in Santa Cruz de la Sierra
Donnerstag, 30. Dezember 2010
Die „ruhige“ Adventszeit
Wie man es auch aus Deutschland kennt, kommt das Weihnachtsfest dann doch in einem atemberaubenden Tempo auf einen zugeschossen, denn die Adventszeit, die immer 24 Tage hat, ist meistens doch schneller vorbei, als man es sich vorstellen kann. So erging es auch uns Volontären hier im heißen Bolivien.
Es fing alles mit der Vorbereitung der Geschenke für die Kinder an, bei denen einige am 5. Dezember, andere am 10. Dezember und wieder andere am 17. Dezember entweder über die Ferien oder für immer zu ihren Familien gehen sollte. Wir hatten im Vorhinein eine Liste von den Ninos bekommen, die sich an den genannten Tagen aus dem Heim verabschieden sollten, wobei sich diese später als vollkommen nutzlos herausstellte, denn es kamen am Ende doch vollkommen andere Eltern zu den „Abholzeiten“, als uns vorher bekannt war. Das wussten wir natürlich nicht und fingen eigentlich recht früh mit dem Bemalen von T-Shirts, beschreiben und bekleben von Karten und dem Einpacken von den Weihnachtsgeschenken an. Simon und ich mussten extra noch eine Nachtschicht (bis 4 Uhr morgens den Pinsel in der Hand halten) vom vierten auf den fünften einlegen, weil wir es sonst nicht geschafft hätten, alles rechtzeitig fertig zu bekommen. Wir waren also voller Zuversicht, dass wir alle Geschenke für die Kinder vorbereitet hatten, aber wir hatten mal wieder die Spontaneität der Bolivianer außer Acht gelassen und wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Leider hatten wir dann für einige Kinder kein Geschenk, dass wir ihnen in die Hand hätten drücken können, was echt traurig war. Was uns weiterhin ein bisschen fraglich vorkam, betraf das „Reunieren“ mit den Familien, bei denen viele Eltern oder Familienangehörige erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen worden waren. Die meisten Kinder waren zwar ein bisschen traurig, ihre Freunde, die Profes, uns und auch das Heim hinter sich zu lassen, aber sie waren auch voller Freude endlich wieder mit ihren Familien zusammen zu sein. Leider gab es auch ein paar Ausnahmen in denen die Kinder eigentlich nicht mit den Eltern, Onkel, Tanten oder Großmüttern zusammenziehen wollten, weil sie entweder schlechte Erfahrung hatten oder es ihnen auf jeden Fall besser im Heim gefällt. In manchen Fällen haben die Schwestern die Kinder aus Schutz auch nicht mit gewissen Eltern gehen lassen, weil sie ihnen skurril vorkamen, was ich echt eine gute Entscheidung fand, denn einige Gestalten sahen keines Falls vertrauenswürdig aus. Sie schienen sich auch irgendwie nicht richtig zu freuen, endlich wieder ihr Kind zu sehen. Vor allem eine Vater ist mir in Erinnerung geblieben, der sich vor das Sekretariat in einen Stuhl niedergelassen hat und die ganze Zeit durchgeschlafen hat, ohne auch nur einmal aufgeschaut zu haben (ich vermute, dass er noch vollkommen alkoholisiert war).
Neben diesen traurigen Momenten des Abschieds gab es aber auch etliche “Paseos” (Ausflüge) zu unterschiedlichen Veranstaltungen. Wir haben den “Acto navideno” der Stadt Santa Cruz besucht, wo zwei bekannte Jugendfernsehmoderatoren abwechselnd mit Künstler eine Show geliefert haben. Wir waren bei einer Universität aus der Nähe eingeladen, die Tanzspiele und ein Theaterstück inszeniert hatte und haben mit der ganzen Gruppe einen riesigen Weihnachtsbaum mit “selbstgebastelten” Christbaumschmuck aus Plastikflaschen (den hatten wir und die Profes den Tag vorher angefertigt) behängt. Auf den Exkursionen wurde man von dem Veranstalter sowohl mit Essen als auch mit Weihnachtsgeschenken für die Kinder vollgestopft, wobei letzteres meistens noch am Tag selber wieder zerstört wurde - die Jungs haben ihre Spielzeugautos durchs “Zusammencrashen” und die Mädels ihre Babypuppen durch das Abreißen von jeglichen Gliedmaßen kaputt bekommen. Vor allem in der Weihnachtszeit denken die Menschen immer daran Kleidung oder aussortierte Spielsachen an Heime abzugeben, was auch hier der Fall war. Fast zweimal Wöchentlich kamen reiche Leute aus Santa Cruz, das konnte man an den Autos feststellen, und haben eine “Donation” abgegeben. Beim Aussortieren konnte man jedoch meistens die Hälfte der Kleidung nicht gebrauchen, da sie entweder viel zu groß oder mit einigen Löchern versehen waren.
Es fing alles mit der Vorbereitung der Geschenke für die Kinder an, bei denen einige am 5. Dezember, andere am 10. Dezember und wieder andere am 17. Dezember entweder über die Ferien oder für immer zu ihren Familien gehen sollte. Wir hatten im Vorhinein eine Liste von den Ninos bekommen, die sich an den genannten Tagen aus dem Heim verabschieden sollten, wobei sich diese später als vollkommen nutzlos herausstellte, denn es kamen am Ende doch vollkommen andere Eltern zu den „Abholzeiten“, als uns vorher bekannt war. Das wussten wir natürlich nicht und fingen eigentlich recht früh mit dem Bemalen von T-Shirts, beschreiben und bekleben von Karten und dem Einpacken von den Weihnachtsgeschenken an. Simon und ich mussten extra noch eine Nachtschicht (bis 4 Uhr morgens den Pinsel in der Hand halten) vom vierten auf den fünften einlegen, weil wir es sonst nicht geschafft hätten, alles rechtzeitig fertig zu bekommen. Wir waren also voller Zuversicht, dass wir alle Geschenke für die Kinder vorbereitet hatten, aber wir hatten mal wieder die Spontaneität der Bolivianer außer Acht gelassen und wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Leider hatten wir dann für einige Kinder kein Geschenk, dass wir ihnen in die Hand hätten drücken können, was echt traurig war. Was uns weiterhin ein bisschen fraglich vorkam, betraf das „Reunieren“ mit den Familien, bei denen viele Eltern oder Familienangehörige erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen worden waren. Die meisten Kinder waren zwar ein bisschen traurig, ihre Freunde, die Profes, uns und auch das Heim hinter sich zu lassen, aber sie waren auch voller Freude endlich wieder mit ihren Familien zusammen zu sein. Leider gab es auch ein paar Ausnahmen in denen die Kinder eigentlich nicht mit den Eltern, Onkel, Tanten oder Großmüttern zusammenziehen wollten, weil sie entweder schlechte Erfahrung hatten oder es ihnen auf jeden Fall besser im Heim gefällt. In manchen Fällen haben die Schwestern die Kinder aus Schutz auch nicht mit gewissen Eltern gehen lassen, weil sie ihnen skurril vorkamen, was ich echt eine gute Entscheidung fand, denn einige Gestalten sahen keines Falls vertrauenswürdig aus. Sie schienen sich auch irgendwie nicht richtig zu freuen, endlich wieder ihr Kind zu sehen. Vor allem eine Vater ist mir in Erinnerung geblieben, der sich vor das Sekretariat in einen Stuhl niedergelassen hat und die ganze Zeit durchgeschlafen hat, ohne auch nur einmal aufgeschaut zu haben (ich vermute, dass er noch vollkommen alkoholisiert war).
Neben diesen traurigen Momenten des Abschieds gab es aber auch etliche “Paseos” (Ausflüge) zu unterschiedlichen Veranstaltungen. Wir haben den “Acto navideno” der Stadt Santa Cruz besucht, wo zwei bekannte Jugendfernsehmoderatoren abwechselnd mit Künstler eine Show geliefert haben. Wir waren bei einer Universität aus der Nähe eingeladen, die Tanzspiele und ein Theaterstück inszeniert hatte und haben mit der ganzen Gruppe einen riesigen Weihnachtsbaum mit “selbstgebastelten” Christbaumschmuck aus Plastikflaschen (den hatten wir und die Profes den Tag vorher angefertigt) behängt. Auf den Exkursionen wurde man von dem Veranstalter sowohl mit Essen als auch mit Weihnachtsgeschenken für die Kinder vollgestopft, wobei letzteres meistens noch am Tag selber wieder zerstört wurde - die Jungs haben ihre Spielzeugautos durchs “Zusammencrashen” und die Mädels ihre Babypuppen durch das Abreißen von jeglichen Gliedmaßen kaputt bekommen. Vor allem in der Weihnachtszeit denken die Menschen immer daran Kleidung oder aussortierte Spielsachen an Heime abzugeben, was auch hier der Fall war. Fast zweimal Wöchentlich kamen reiche Leute aus Santa Cruz, das konnte man an den Autos feststellen, und haben eine “Donation” abgegeben. Beim Aussortieren konnte man jedoch meistens die Hälfte der Kleidung nicht gebrauchen, da sie entweder viel zu groß oder mit einigen Löchern versehen waren.
Divino Nino Jesus
Vor ein paar Wochen ist die gesamte Gruppe der Divino Ninos und Maria Reina aufgrund des Geburtstags des Divino Nino Jesus zu einer Familie aus dem Barrio eingeladen worden. Mir wurde zunächst gesagt, dass wir zu einem Eis eingeladen sind, was sich jedoch später als vollkommen untertrieben herausgestellte. Mit einem Pick-Up wurden die zwei Gruppen, die Profes und ich aufgeladen, um uns vier Blocks weiter vor dem Haus der Gastgeber wieder abzuladen. Ich hatte erst Angst, dass nicht alle Kinder hier Platz finden würden, denn das Haus bestand nur aus zwei Zimmern und einem Innenhof, aber ich irrte mich, denn es haben sich einfach zwei oder drei Kinder einen Stuhl geteilt. Für den Geburtstag des Dvino Nino Jesu wurde ein beschmückter Altar aufgebaut, an dem etliche T-Shirts und andere Preise, die man durch später durchgeführte Spiele gewinnen konnte, hingen. Zunächst einmal wurde jedoch zum Anlass des Cumple drei Rosenkränze, ein paar Ave Marias und das Vaterunser gebetet. Nachdem wir dann nach 15 Minuten fertig gebetet hatten, wurde die erste Runde Essen verteilt - Soda und Gelatine. Den ganzen Nachmittag und Abend ging es dann so weiter. Immer wieder unterbrechend durch Beten und Spiele für die Kinder (Eierlaufen, Reise nach Jerusalem, irgendwelchen Hüpf- und Tanzspiele und das laufen auf einem fiktiven Laufsteg, was vor allem bei uns Zuschauern zu einigen Lachkrämpfen führte) wurden wir mit Essen vollgestopft. Es gab Torte, Hotdogs, Kuchen, Empanadas, Cunapes, Soda, Wackelpudding usw. Am Ende des Abends habe selbst ich es nicht mehr geschafft, das Abendessen im Heim herunterzubekommen. Die Kinder waren meistens schon nach der zweiten Runde Essen vollkommen erschöpft, weshalb wir auf dem Heimweg singend und vollgepackt mit Plastiktüte auf den Hogar zusteuerten.
Ich war von der Familie richtig angetan, denn so eine Gastfreundschaft würde man in Deutschland nirgendwo finden. Meinem Eindruck nach zu urteilen, ging es den Gastgebern finanziell selber nicht so gut, aber trotzdem haben sie den Kindern zu Liebe diesen unvergesslichen Geburtstag mit reichlich Essen und Geschenken veranstaltet. Diese Mentalität und die Uneigenützigkeit der Menschen begeistert mich immer wieder und würde ich auch gerne für mich nach Deutschland mitnehmen.
Ich war von der Familie richtig angetan, denn so eine Gastfreundschaft würde man in Deutschland nirgendwo finden. Meinem Eindruck nach zu urteilen, ging es den Gastgebern finanziell selber nicht so gut, aber trotzdem haben sie den Kindern zu Liebe diesen unvergesslichen Geburtstag mit reichlich Essen und Geschenken veranstaltet. Diese Mentalität und die Uneigenützigkeit der Menschen begeistert mich immer wieder und würde ich auch gerne für mich nach Deutschland mitnehmen.
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