FSJ in Santa Cruz de la Sierra

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Donnerstag, 30. Dezember 2010

Die „ruhige“ Adventszeit

Wie man es auch aus Deutschland kennt, kommt das Weihnachtsfest dann doch in einem atemberaubenden Tempo auf einen zugeschossen, denn die Adventszeit, die immer 24 Tage hat, ist meistens doch schneller vorbei, als man es sich vorstellen kann. So erging es auch uns Volontären hier im heißen Bolivien.
Es fing alles mit der Vorbereitung der Geschenke für die Kinder an, bei denen einige am 5. Dezember, andere am 10. Dezember und wieder andere am 17. Dezember entweder über die Ferien oder für immer zu ihren Familien gehen sollte. Wir hatten im Vorhinein eine Liste von den Ninos bekommen, die sich an den genannten Tagen aus dem Heim verabschieden sollten, wobei sich diese später als vollkommen nutzlos herausstellte, denn es kamen am Ende doch vollkommen andere Eltern zu den „Abholzeiten“, als uns vorher bekannt war. Das wussten wir natürlich nicht und fingen eigentlich recht früh mit dem Bemalen von T-Shirts, beschreiben und bekleben von Karten und dem Einpacken von den Weihnachtsgeschenken an. Simon und ich mussten extra noch eine Nachtschicht (bis 4 Uhr morgens den Pinsel in der Hand halten) vom vierten auf den fünften einlegen, weil wir es sonst nicht geschafft hätten, alles rechtzeitig fertig zu bekommen. Wir waren also voller Zuversicht, dass wir alle Geschenke für die Kinder vorbereitet hatten, aber wir hatten mal wieder die Spontaneität der Bolivianer außer Acht gelassen und wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Leider hatten wir dann für einige Kinder kein Geschenk, dass wir ihnen in die Hand hätten drücken können, was echt traurig war. Was uns weiterhin ein bisschen fraglich vorkam, betraf das „Reunieren“ mit den Familien, bei denen viele Eltern oder Familienangehörige erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen worden waren. Die meisten Kinder waren zwar ein bisschen traurig, ihre Freunde, die Profes, uns und auch das Heim hinter sich zu lassen, aber sie waren auch voller Freude endlich wieder mit ihren Familien zusammen zu sein. Leider gab es auch ein paar Ausnahmen in denen die Kinder eigentlich nicht mit den Eltern, Onkel, Tanten oder Großmüttern zusammenziehen wollten, weil sie entweder schlechte Erfahrung hatten oder es ihnen auf jeden Fall besser im Heim gefällt. In manchen Fällen haben die Schwestern die Kinder aus Schutz auch nicht mit gewissen Eltern gehen lassen, weil sie ihnen skurril vorkamen, was ich echt eine gute Entscheidung fand, denn einige Gestalten sahen keines Falls vertrauenswürdig aus. Sie schienen sich auch irgendwie nicht richtig zu freuen, endlich wieder ihr Kind zu sehen. Vor allem eine Vater ist mir in Erinnerung geblieben, der sich vor das Sekretariat in einen Stuhl niedergelassen hat und die ganze Zeit durchgeschlafen hat, ohne auch nur einmal aufgeschaut zu haben (ich vermute, dass er noch vollkommen alkoholisiert war).
Neben diesen traurigen Momenten des Abschieds gab es aber auch etliche “Paseos” (Ausflüge) zu unterschiedlichen Veranstaltungen. Wir haben den “Acto navideno” der Stadt Santa Cruz besucht, wo zwei bekannte Jugendfernsehmoderatoren abwechselnd mit Künstler eine Show geliefert haben. Wir waren bei einer Universität aus der Nähe eingeladen, die Tanzspiele und ein Theaterstück inszeniert hatte und haben mit der ganzen Gruppe einen riesigen Weihnachtsbaum mit “selbstgebastelten” Christbaumschmuck aus Plastikflaschen (den hatten wir und die Profes den Tag vorher angefertigt) behängt. Auf den Exkursionen wurde man von dem Veranstalter sowohl mit Essen als auch mit Weihnachtsgeschenken für die Kinder vollgestopft, wobei letzteres meistens noch am Tag selber wieder zerstört wurde - die Jungs haben ihre Spielzeugautos durchs “Zusammencrashen” und die Mädels ihre Babypuppen durch das Abreißen von jeglichen Gliedmaßen kaputt bekommen. Vor allem in der Weihnachtszeit denken die Menschen immer daran Kleidung oder aussortierte Spielsachen an Heime abzugeben, was auch hier der Fall war. Fast zweimal Wöchentlich kamen reiche Leute aus Santa Cruz, das konnte man an den Autos feststellen, und haben eine “Donation” abgegeben. Beim Aussortieren konnte man jedoch meistens die Hälfte der Kleidung nicht gebrauchen, da sie entweder viel zu groß oder mit einigen Löchern versehen waren.

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