FSJ in Santa Cruz de la Sierra

FSJ in Santa Cruz de la Sierra

Dienstag, 30. November 2010

Eine anstregende Woche

Vor ca. zwei Wochen hatten wir bei uns im Hogar zwei große Ereignisse, die gebührend gefeiert werden mussten - Aniversario (Geburtstag) des Heimes und die Promotion der Kinder. Diese Events erforderten natürlich auch von uns vollkommene Bereitschaft, weshalb wir auch sehr stark in das Programm eingespannt waren.
Am Mittwoch fand das 11. Aniversario des Heimes statt, wofür schon zwei Wochen vorher der gesamte Hogar auf Hochglanz gebracht wurde. Dies hieß, dass in allen Beeten Unkraut gezupft wurde, die Büsche gestutzt wurden, niedliche Steine weiß angestrichen und um die Beete gelegt wurden und der Comedor für zwei Tage nicht mehr betreten werden durfte, wodurch alle Mahlzeiten draußen eingenommen werden mussten. Sowohl für das Aniversario als auch für die Promotion wurden die einzelnen Klassenräume hergerichtet, was bedeutete, dass ich für meine Vorschulgruppe alle Ordner bestehend aus mehr als 250 Arbeitsblättern nach einem angeblich richtigen System lochen und sortieren durfte. Des Weiteren wurden alle je von den Kindern gebastelten, gemalten oder gehäkelte Gegenstände aus dem ganzen Jahr ausgestellt (es war echt eine Höllenarbeit, aber meine Profe und ich haben es doch noch rechzeitig geschafft). Am großen Tag selber wurden alle Kinder in ihre beste Kleidung gesteckt und es fand nachmittags eine Messe statt, wo auch die Frauen von „Asumer“, ein Spenderkreis, der das Heim unterstützt, dran teilnahmen. Nach dem festlichen Akt wurden dann noch die hergerichteten Klassenräume vom Besuch inspiziert, bevor es zum Essen ging. Es gab eine große Torte und Soda (Cola, Fanta, Sprite). Wir Freiwilligen hatten uns eigentlich etwas mehr erhofft, weil uns schon lange vorher von dem Jahr davor berichtet wurde, wo es wohl Hühnchen und alle möglichen Leckereien gegeben haben soll, aber es lag vielleicht doch eher an dem runden Geburtstag. Ebenfalls etwas schade fand ich es, dass die Kinder warten mussten, bis der Besuch alle Klassenzimmer angeschaut hatte, bevor es zum Essen ging. Hier durften sich die älteren Herrschaften dann schon einmal an die gedeckten Tische setzen und als die Kleinen dann auch endlich das Essen vor sich hatten, verabschiedeten sich schon die Frauen aus der gehobenen Gesellschaft. In dem Moment hätte ich mich echt aufregen können, weil ich es eine Frechheit fand, die Kinder über 20 min warten zu lassen, bevor sie sich auch zum Essen begeben konnten. Aber vielleicht ist das ein Zeichen der Gastfreundschaft, die die Bolivianer so pflegen.



















Am Freitag fand stand dann das nächste Großereignis auf dem Programm - Promotion des Vorschulkurses Kinder, die im folgenden Jahr dann die erste Klasse besuchen dürfen. Hierfür wurden wir Volontäre schon Wochen vorher befragt, ob wir nicht ein Teil der Kosten mittragen möchten. Wir einigten uns darauf, die Kinder aus dem Heim finanziell zu unterstützen, da wir es nicht einsahen, auch die Kinder von außerhalb zu finanzieren - ich meine 100 Bolivianos pro Kind sind schon eine Stange Geld, wenn man bedenkt, dass insgesamt 25 daran teilnahmen. Dieses Geld wurde vor allem für die schicke Kleidung (Hut, Robe und Krawatte, wie in den amerikanischen Promotionen), Getränke, Essen und das Highlight, ein Bild auf dem alle Kinder, die Profesora und die Spender, darunter auch wir, auf einem kitschigen Hintergrund zu sehen waren, verwendet.
Am Abend vor der Promotion, welche in der Kapelle stattfinden sollte, wurde diese noch nach dem Motto „Wunderland“ hergerichtet, was hieß, dass etliche Styroporfiguren, Blumen und Bäume aufgestellt wurden, was am Ende ziemlich kitschige aussah, aber meiner Profe ähnlich sah. Die Verleihung selber fand wie in amerikanischen Filmen ab. Zunächst gingen die Pre-Kinder nach vorne und nahmen auf der Tribüne Platz. Die Ausgezeichneten wurden dann entweder von ihren Eltern oder uns Freiwilligen nach vorne geleitet, dort mit einem Handschlag und einer Umarmung von den Pre-Kindern begrüßt und zum Schluss von der Profe gratuliert, die dann auch noch jedem einzelnen dieses Bild als Andenken, das Zeugnis und eine Blume übergab. Während der gesamten Zeit liefen die Zuschauer durch die Gegend, schossen wie verrückt Fotos, um diesen einen besonderen Moment ihres Kindes festzuhalten, und versuchten durch Gesten ihre Kinder, die vorne auf der Bühne Platz genommen hatten, zu züchtigen, was in keins der Weise funktionierte. Zum Ende hin trugen sowohl die Pre-Kinder als auch Kinder ein Lied und ein Gedicht vor, was Wochen vorher im Unterricht bis zum Erbrechen auswendig gelernt worden war, und es wurde nach einer kleinen Rede der Profesora eine große Fotografie mit allen Promovierenden an das Heim übergeben. Als dann die Feierlichkeiten zu Ende waren wurden noch Fotos von den Kindern geschossen und im Nachhinein bereute ich es ein bisschen, dass ich eine Kamera dabei gehabt hatte, denn alle Eltern, die keine besaßen, kamen zu mir, um zu fragen, ob ich denn nicht ein paar Fotos von ihren Schützlingen schießen würde (meistens kam dann ein Solofoto, eines mit den Geschwistern, eines nur mit Bruder oder Schwester, eines mit Oma, eines mit Großeltern, und allen anderen sich vorstellbaren Konstellationen dabei heraus). Die Promotion endete dann mit dem Verspeisen von den Sodas und Saltenas.







































Parque Amboró

Letztes Wochenende haben sich mal wieder vier Maz, dieses Mal Katha, Simon, Sunny und ich uns auf den Weg nach Samaipata gemacht. An diesem Wochenende sollten jedoch keine alten Ruinen und auch keine Wasserfälle, sondern der drittgrößte Nationalpark Boliviens erkundet werden. Samstagmorgen wollten wir eigentlich die Tour planen, damit wir uns Sonntag ausruhen konnten, aber das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schon in der Nacht fing es aus allen Eimern heraus zu gießen, was sich leider bis in den Nachmittag des nächsten Tages hineinzog. Alle Touranbieter versicherten uns, dass man an dem heutigen Tag keine Chance hätte den Park zu betreten. Wir entschieden uns also gezwungenermaßen den Tag anderweitig zu gestalten. Wir lasen Bücher, spielten Libretto & Co und genossen es endlich mal wieder einen funktionierenden Ofen zu haben. Aus der Not heraus backten wir zwei uns noch bekannte Gerichte aus Deutschland - meine Spezialität Kartoffelgratin und Nudelauflauf.

Am Sonntag ging es dann in den Dschungel, um genauer zu sein in subtropisches Gebiet, um uns die Farne im Parque Amboró anzugucken. Um neun Uhr morgens fuhr unser kleiner Reisebus, der neben uns noch mit einem Reiseführer und 2 Engländern bestückt war, los. Im Park selber, der gute 30 min. von Samaipata beginnt, haben wir dann 6 Stunden damit verbracht, uns auf teilweise sehr glitschigem Boden bergauf und bergab zu bewegen, um uns Farne, verschiedene Tiere (Vogelspinne, Würmer, Vögel und Frösche) und die wunderschöne Landschaft zwischen den Baumgipfeln anzuschauen. Mit dem „Führer“ hatten wir richtig Glück, denn er war die ganze Zeit richtig gut drauf, hat einen Witz nach dem anderen gerissen und kannten sich nebenbei noch mit der Flora und Fauna aus. Da der Weg zu rutschig war, hat sich jeder mindestens einmal „gemault“, was eigentlich ein Cerveza am Abend bedeutet hätte. Nach den paar Stunden im Dschungel ging es dann abends wieder auf den Heimweg und diesmal hat sich auch keiner beklauen lassen.

Samstag, 6. November 2010

Vorgeschmack auf Karneval

Hier einmal ein kleiner Post ein Sachen Karneval in Bolivien, speziell in Santa Cruz, der wohl im Februar viel anders als in Deutschland ablaufen wird.

Letzte Woche war es mal wieder unglaublich heiß, d.h. immer so um die 35 Grad, was einem ohne Swimmingpool oder ähnlichem in der Nähe echt zu schaffen machen kann. Deshalb habe Simon und ich uns kurzerhand entschieden eine Wasserrutsche, die irgendwo in unserem Haus sein sollte aufzubauen. Als wir dann eine rutschenähnliche Plane gefunden hatten, stellte sich heraus, dass diese zu einem Schwimmbecken gehört, wodurch unsere ganze Idee über den Haufen geworfen wurde. Die Hitze konnte man jedoch wirklich nicht ausstehen, weshalb wir einfach einen Gartenschlau anschlossen, womit sich zunächst die Kinder, dann wir Voluntarios und später auch die Profes nass gespritzt haben. Irgendwann artete diese eigentlich schon beendete Wasserschlacht aus, als wir Lorenza in der Levanderia überraschten und ihr einen Eimer Wasser über den Kopf gossen. Als Revanche wurde Simon dann mit dem Dreckswasser der Wasserfarbe übergossen - hier nun ein kleine Abstecher in Sachen Karneval in Bolivien, speziell in Santa Cruz. Im Februar wird drei tagelang durchgehend gefeiert, es gibt etliche Fußgruppen und es wird nicht wie bei uns mit Bonbons geschmissen, sondern man bespritzt sich mit Wasser und Farbe aller Art, wodurch man dementsprechend auch aussieht - Auf jeden Fall haben wir, nachdem Simon auch noch Wasserfarbe ins Gesicht geschmiert wurde, das nicht auf uns sitzen lassen und bewaffneten uns mit Fingermalfarbe und die Profes mit irgendeiner uns bis dahin nicht identifizierbaren Farbe. Es gab einen kleinen "lucha", bei dem es galt möglichst alles von der anderen Person zu verdrecken (Gesicht, Haare, Anziehsachen). Kurz darauf versuchten wir dann die Farbe abzuwischen, was mir eine 30-minütige Dusche erbrachte, denn Claudia und Lorenza hatten netterweise schwarze und blaue Schuhcreme benutzt, welche sich als echt hartnäckig herausstellte. Abschließend kann ich sagen, dass ich mich jetzt schon auf die Karnevalszeit freue, denn spätestens dann werden wir uns revanchieren.










Mittwoch, 3. November 2010

Halloween

Noch eben bevor es ins Bett geht ein kleiner Eintrag in Sachen Halloween. Ich weiß ja selber, dass es sich hierbei um ein heidnischen Fest handelt, aber das hat uns nicht davon abgehalten dies auch im katholischen Hogar zu feiern.
Die Kinder wussten über andere Freiwillige zum Teil sogar schon Bescheid, was aber trotzdem hieß, dass es immer etwas besonderes ist. Nachdem wir zwei Tage lang Kürbisse eingekauft hatten (an beiden Tagen waren wir nur zu dritt und man kann sich gar nicht vorstellen, wie schwer solche Kürbisse sein können). Zum Schluss hatten wir zehn runde Kürbisse zusammen, welche auf die Häuser verteilt wurden. Ich muss, damit sich auch keiner gleich bei den Fotos erschreckt, anmerken, dass wir leider nur grüne "calabazas" auf dem Markt gefunden haben bzw. die Orangenen sich nicht zum Aushöhlen eigneten.
Am Nachmittag wurden die "grünen Riesen" dann von den Kindern ausgehöhlt








und meine Profe und ich haben es uns nicht nehmen lassen, die Gesichter einzuritzen, denn sonst hätten sich die Jungs mit Sicherheit mit den Messer umgebracht.




Die Kinder mussten jedoch noch bis zum Abend warten, damit die Kürbisse im Dunkeln auch ihre wahre Pracht ausstrahlen konnten. Dafür wurden die Jungs jedoch mit Süßigkeiten auf die Nacht vertröstet.
Als es dann soweit war, brüllten alle meine Jungs, während die Kürbisse in den Innenhof getragen wurden, lauthals "Halloween, Halloween, Halloween".




Kurzerhand beschlossen die Mädels dann noch eine kleines Theaterstück aufzuführen, wovon wir Jungs überhaupt nichts wussten. Dabei nahmen die Mädels die Persönlichkeiten von uns Jungs ein und versuchten uns detailgetreu nachzuspielen, was ein sehr lustiges Bild abgab. Spontan wurden dann auch wir männlichen Volontäre, jeweils ein Mädchen vertretend, zum Theaterspielen aufgefordert, was die Kinder vollkommen aus dem Häusschen brachte.
Zum Abschluss wurde noch die letzte "dulce" an die Kinder überliefert und wir brachten einen gelungen Abend mit ein paar Bierchen zu Ende.