FSJ in Santa Cruz de la Sierra

FSJ in Santa Cruz de la Sierra

Samstag, 28. August 2010

Schule

Ein normaler Tag bei den Kindern sieht meistens Folgendermaßen aus. Um 5 Uhr werden die Kinder von ihren Hausmüttern geweckt und müssen sich für das Frühstück um 7 Uhr frisch machen. Das klingt für einige vielleicht ein wenig zu früh, aber da immer mindestens 30 Kinder in einem Haus leben und sich alle 4 Duschen teilen müssen, kommt es häufig zu Zeitdruck, denn das Haus muss auch noch bis zum „desayuno“ gereinigt sein. Ab 8 Uhr beginnt für alle die Schule. Auch die vier- bis sechs-jährigen gehen in eine Art Kindergarten, wobei auch schon die Zahlen und Buchstaben gelernt werden, man es also nicht mit dem in Deutschland vergleichen kann, denn Disziplin in Form von Unterricht wird hier großgeschrieben. Ab 12.30 gibt es dann Mittagessen, wo auch die älteren Kinder, die schon zur Schule im Barrio gehen, dran teilnehmen und sich fröhlich den Reis mit den Hühnerfüßen und –köpfen reinschaufeln. Nachmittags wird dann zunächst ein Nickerchen gemacht, bevor es an die Hausaufgaben geht, wo man bemerkt, dass vor allem die Vorschüler mit ihren Hausaufgaben vollkommen überfordert sind. Im Unterricht werden den Kindern die Zahlen und Buchstaben beigebracht, schon am Nachmittag jedoch haben sie diese wieder vergessen, wodurch es häufig dazu kommt, dass die Kinder anfangen zu weinen. Oft sitzen sie dann bis 5 Uhr nachmittags am „Schreibtisch“ bevor sie überhaupt einmal nach draußen kommen. Ab 6 Uhr, vor dem Abendessen, wo es nur eine Suppe gibt, ist dann „Rosario“ (Rosenkranz) angesagt. Meiner Meinung nach sind durch diesen strukturierten Plan vor allem die Kleinen vollkommen überfordert, aber ich tue schon mein Bestes, den Kindern das Rechnen und Schreiben ein wenig spaßiger zu machen, da sie es häufig als eine Last ansehen.

Nachtleben und Don Bosco

Hallo alle zusammen. Ich habe mir gedacht, dass es mal wieder an der Zeit wäre, euch neue Infos zukommen zu lassen, denn hier vergeht kein Tag, wo man nicht irgendetwas Neues erlebt, was einen verblüfft. Ich kann euch schon einmal beruhigen, denn wir haben heute bemerkt, dass die Rattenplage immer noch nicht beseitigt ist. Als Simon und Inga heute einen Kuchen backen wollten, haben sie scheinbar die Ratte aus ihrem vertrauten Heim, dem Backofen, verscheucht, was sie aber nicht davon abgehalten hat, dem Kind das Geburtstagsgeschenk zu backen. Nun aber zurück zum Anfang.
Am zweiten Wochenende haben wir uns mit den Freunden von Inga, die in Cotoca wohnen, getroffen, um das Nachtleben in Bolivien auszukundschaften. Im Detail kann man sagen, dass es sich nicht unwesentlich von unserem in Deutschland unterscheidet – Vortrinken bei irgendwelchen Leuten und dann mit einer große Meute die Disko stürmen, wobei wir die einzigen an diesem Abend dort waren, was uns jedoch nicht davon abhielt, erst um 6 Uhr morgens wieder im Hogar aufzutauchen. Einen kleinen Unterschied gibt es doch - hier ist alles auf Reggeaton getrimmt, wodurch die Tanzschritte irgendwie mehr auf das linke Bein gelegt sind, was für Europäer ungewöhnlich erscheinen mag, denn Partnertänze sind auch viel gebräuchlicher.
Am Tag darauf waren wir bei Helga, einer älteren Dame aus Deutschland, eingeladen, die seit 50 Jahren in Santa Cruz lebt und sich hier Vorort um die Voluntarios kümmert und ihnen zur Seite steht. Das Haus kann man mit denen in Deutschland vergleichen, denn sie lebt in einem Condominium, indem vorwiegend reichere Einwohner von Santa Cruz wohnen und von der Stadt durch eine Mauer abgetrennt sind. Sie hat uns über die Geschichte der Stadt unterrichtet, über die vielen Projekte, in denen sie beteiligt ist, erzählt und uns vorzüglich mit bolivianischen Leckereien verköstigt.
Am Tag darauf ging es schon um 8 Uhr zu einem weiteren Heim in Santa Cruz, Don Bosco, wo sich etliche Hogars aus der Umgebung getroffen haben, um zunächst eine Messe mit vielen Liedern und Tanzeinlagen zu feiern und dann anschließend in einzelnen Sportarten wie Fußball, Basketball oder auch dem Tanzen, womit der Tag um 5 Uhr nachmittags abschloss, gegeneinander anzutreten. Die Kinder hatten einen riesen Spaß, aber aufgrund des jungen Alters nicht wirklich eine Chance zu gewinnen. Wie auf dem Hinweg quetschten wir uns auf dem Weg zurück zum Hogar mit 60 Mann in einen Mikro, wodurch man zum Teil 3 Kinder auf seinem Schoß sitzen hatte.
Unter der Woche kehrte dann wieder der Alltag ein, den ich in meinem nächsten Post genauer erläutern werde.

Mittwoch, 11. August 2010

Ratten, Hühnerfüße und der Alltag beginnt

Die letzten Tage waren sehr amüsant und interessant, denn im Heim gibt es immer irgendetwas zu erleben, womit man nicht rechnet.
Wie schon erwähnt, haben wir am ersten Tag feststellen müssen, dass wir sehr wahrscheinlich einen Untermieter hatten, der sich auf unsere Kosten durchfressen wollte, weshalb es erst einmal hieß - aufräumen, putzen und wischen - denn das war seit Langem wieder fällig geworden. Das Problem "rata" oder "raton", das wussten wir bis zu dem Zeitpunkt noch nicht, musste jedoch anders angegangen werden, weshalb wir ins Zentrum fuhren, um dort ein Gift zu besorgen. An gleicher Stelle haben wir uns dann auch für 15€ ein Handy gegönnt, wodurch man mich bald, wenn ich es denn registrieren lasse, erreichen kann. Am Mutualista, was ein riesiger überdachter Markt ist, kam dann prompt eine Parade vorbei, denn es war der "Tag der Jungfrau Carmen", den man gebührend feiern muss. Man sollte wissen, dass in Bolivien jede Person irgendwie einen Feiertag hat, weshalb ich immer wieder solche Umzüge sehen werde.
Zurück im Hogar ist uns die Ratte dann doch noch persönlich begegnet und wurde von den 10 Freiwilligen durch das Heim gejagt, bis sie sich irgendwo hinter dem Ofen niedergelassen hatte. Das Rattengift wurde verstreut und schon am nächsten Tag zahlten sich die "Bollis" aus und wir dachten wir hätten einen Sieg eingefahren, jedoch war dies nur eine kleine Etappe, denn schon am Abend selber vernahmen wir diesmal ein Knistern hinter dem Kühlschrank.
Der "Tag der Ratte" war auch zugleich mein erster Arbeitstag, der damit begann zwei- bis vierjährige Kinder zu belustigen, indem man sie durch die Lüfte schleuderte, den Ball hin und her warf oder sie von oben bis unten durch kitzelte. Die Kleinen sind echt super süß und obwohl sie beim Essen, bei dem die Hälfte auf dem Boden landet, etwas anstrengend sind, macht es wirklich Spaß, denn ich habe bei dieser Aufgabe noch 2 Italienerinnen an meiner Seite, die den Laden echt aufmischen.
Ab 12 Uhr gibt es dann im Hogar immer Mittagessen, wo wir Freiwilligen auch mitessen dürfen. Ich hab es mir natürlich nicht nehmen lassen, eine Spezialität des Hauses zu essen, denn es gab eine Nudelsuppe mit Hühnerfüßen, Hühnerköpfen und irgendwelchen Innereien des Geflügels, wobei euch auf Leber tippen würde. Es hört sich vielleicht ein wenig ekelig an, aber es schmeckt im Endeffekt genauso wie das restliche Tier (Fotos werden folgen).
Nachmittags werde ich dann für die nächste Wochen bei den "Divino Ninjos" mithelfen, die zu den Kleinsten nach den "Bebes" gehören - Man muss wissen, dass die Kinder in Mädchen- und Jungenhäuser aufgeteilt sind, wobei hier auch noch nach dem Alter unterschieden wird. Die Jungen dürfen bis 12 Jahre in dem Heim bleiben, bevor sie in ein anderes Heim gehen, die Mädchen sind meistens bis zu ihrem 16 Lebensjahr im Hogar - Bei den "Divino Ninjos" musste ich am ersten Arbeitstag auf den Großteil der Kinder, die sich auf dem Spielplatz vergnügten, aufpassen, während die Restlichen, die schon zur Schule gehen, ihre Hausaufgaben gemacht haben.
Ansonsten ist es hier echt super, wir haben ein tolles Klima unter der Freiwilligen und die Sprache wird auch langsam besser, wobei einem immer wieder Vokabeln fehlen. Die Kinder stört das jedoch nicht wirklich, denn sie helfen einem, wo sie nur können, wenn man Sprachprobleme hat.

Ich probiere die Hühnerfüße!!!


Divino Ninjos


Chino alias Luciano mit fashiom sombrero


Meine Bebe II mit Angelica


Darek der Dickkopf


Diese Kartoffel brachte eine Ratte um die Ecke :)

Sonntag, 8. August 2010

Reise + Sao Paolo + 1. Tag

Zunächst einmal kann ich allen versichern, dass ich sicher in Santa Cruz angekommen bin, wobei es eine harte und lange Reise war.
Nachdem ich am Tag der Abreise durch eine sehr lange Wartezeit und dem Bangen nicht nach Bolivien fliegen zu können, doch noch meinen vorläufigen Reisepass ausgehändigt bekommen habe, konnte das Projekt "Hogar de la Esperanza" starten.
Am Flughafen traf ich Katha, eine meiner beiden Mitstreiterinnen und nach einem kurzen Abschied konnte die Reise beginnen. Zunächst ein kurzer Stopp in München, wo Simon hinzu stieg und dann 13 h in Richtung Sao Paolo.
Der Flug lief schneller als gedacht, was an der guten Filmauswahl und daran gelegen haben könnte, dass ich endlich mal etwas schlafen konnte im Flugzeug.
Trotzdem etwas fertig trafen wir am Flughafen unseren Guide für die nächsten 10 Stunden, Marlene Kocher Jaggi, eine ca. 45-Jährige mit rot-blondem Fukohila, die uns Sao Paolo nahebringen sollte.
20 Millionen Menschen, 54 x 30 km Fläche und jeder 3. hat ein Auto - so kann man Sao Paolo kurz beschreiben. Die Tour fand hauptsächlich im Auto, jedoch haben wir etliche Stadtteile gesehen, die in Deutschland eine eigene Stadt gewesen wären.
Das richtige Ausmaß erkannten wir erst, als wir auf die Nachbildung des Empire State Building stiegen. Die Stadt bestand nur aus Wolkenkratzern und das, soweit das Auge sah.
Durch die 7 Millionen Autofahrer ist der Verkehr sehr stockend, wobei eigentlich die Regeln gelten: Dreistigkeit vor Langsamkeit und größer vor kleiner. Sämtliche Verkehrsregeln werden missachtet, durch Hupen und Fingerzeige die Missstimmung ausgedrückt und leider starben jeden Tag ca. 3 Motorradfahrer, die in dem Gewusel durch die Gegend flitzen.
Zurück zum Flughafen gab es noch Stress wegen der Tax, die man zahlen musste und dann ging es aber ab nach Santa Cruz.
Sie Passkontrolle überstanden wir problemlos, mussten kein zusätzliches Geld zahlen und das Gepäck war auch unbeschädigt angekommen. Gepäckkontrolle für Deutsche bestand nicht und am Ausgang warteten schon Schwester Clara, Violla und drei sehr aufgeweckte Italienerinnen, die auch als Freiwillige im Projekt tätig sind.
Zu 8 mit Gepäck in dem Van, der sich beim Start ein wenig veraltet und kaputt anhörte, kamen wir nach 20- minütiger Fahrt zum "Hogar de la Esperanza". Hier wurden wir direkt von den Kindern umzingelt, begrüßt und hatten kaum Zeit unser neues zu Hause anzuschauen.
Nach einem leckeren Essen mit den Schwestern, lernten wir noch eine weitere Deutsche kennen, Clarissa und eine Schottin, die zurückhaltend herüberkam. Das neue zu Hause hätte in Europa wahrscheinlich nicht einmal einen halben Stern erhalten. 1 von 4 Duschen funktioniert, wobei bei dieser der Strahl nur sehr schwach ist; 2 von 4 Toiletten sind in Takt; der Backofen hat eine Ratte als Hauptmieterin und isoliert ist nichts, wodurch es 10 ° Kälte nachts vorherrschen.
Nach einer kurzen Mail, einer Dusche nach über 30 Stunden fiel ich dann ins Bett, wo ich von Pässen, Ratten und Hühnerköpfen und -krallen träumte.

Die Skyline von Sao Paolo


Katha, Simon und Ich auf dem Edifício do Banespa


Der Mittelpunkt Sao Paolos ist palmengesäumt


Estádio do Morumbi


Katha und Ich