FSJ in Santa Cruz de la Sierra

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Donnerstag, 30. Dezember 2010

Weihnachten 2011 - ein echt spontanes Fest

Zu diesem Zeitpunkt komme ich dann zum 24. Dezember, auf den man sich dann doch etwas schneller hinzubewegt hatte, als gedacht. Ich muss sagen, dass die Adventszeit dieses Mal wesentlich schneller herumging als gedacht und es wesentlich schwieriger ist Geschenke für 30 und mehr Leute als für die eigene Familie zu finden, an die man schon Mitte Oktober denken musste. In den letzten beiden Tagen stand deshalb für alle von uns, vor allem für mich, da ich die bolivianische Gelassenheit schon ziemlich intus habe, einiges auf dem Programm. Noch immer waren nicht alle T-Shirts für die Kinder bemalt, hatte man weder Ideen, geschweige denn Geschenke für die anderen Volontäre oder die Profes und wir hatten uns vorher darauf geeinigt, allen anderen Mitarbeitern und den Schwestern ebenfalls kleine Geschenke zu überbringen. Da wir schon vorher einige Male Plätzchen gebacken hatten, wurden die Mitarbeiter mit drei unterschiedlich Plätzchen beschenkt (700 Ausstecher, die wahlweise mit Streuseln oder Schokolade bestrichen wurden, „Marmeladenrollen“ und Marzipankartoffeln). An Heiligabend selber habe ich noch einige Geschenke fertig stellen und einpacken müssen, da mir die Zeit davongerannt war.
Wir wollten diese Nacht auch etwas ganz besonderes für die Kinder machen, und da das Essen in Bolivien immer an oberster Stelle steht, wollten wir Schwein und Hühnchen grillen und dazu unterschiedliche Salate, Yukka und Reis anrichten. Bis auf das Fleisch und den Yukka, den Claudia und ich noch an Heiligabend am Terminal abholen mussten, weil dies von der Schwester von Lorenzo per „Flota“ eingefahren worden war, hatten wir alle Einkäufe in den Vorweihnachtstagen erledigt. Alles war eigentlich genau durchgeplant: um 18 Uhr mit der Zubereitung der Salate und dem Anzünden der Kohlen beginnen, entweder um 20 oder 22 Uhr den Gottesdienst besuchen, um Mitternacht ein Feuerwerk abfeuern und danach Geschenke verteilen. Bis auf das Vorletzte klappte nichts, wie es eigentlich sein sollte. Da die Profes selber auch noch an Heiligabend (alle Geschäfte haben ganz normal geöffnet und man konnte noch am Abend selber an der Tienda an der Ecke Bier kaufen) auf Einkaufstour waren, wurde mit der Zubereitung erst gegen halb neun angefangen. Da auch die Schwester nicht aufzufinden war, wurde die 20 Uhr Messe gestrichen und nur die Ältesten besuchten in die 22 Uhr Messe (ich habe es augrund der Essenzubereitung gar nicht geschafft in die Kirche zu kommen). Meine Aufgabe bestand darin die Kohlen auf dem Betonboden anzuzünden, denn es gab kein echten Grill, sondern nur ein Rost, der auf Steine gelegt wurde. Dies stellte sich jedoch als wesentlich schwieriger heraus als gedacht, da es ziemlich windete und das Feuer eine große Attraktion für die Kinder war, die, während ich versuchte sie von dem Grill fern zu halten, an der Glut ihre Feuerwerkskörper, die sie von der Hermana bekommen hatten, anzuzünden. (ich fand es ein bisschen gefährlich, wenn fünf-jährige mit Teppichen und Chinaböllern hantierten und diese ohne zu gucken, durch die Gegen warfen). Als dann endlich eine vernünftige Glut zustande gebracht worden war und die ersten Fleischbrocken (es gab keine Koteletts, sondern zwei - drei Kilogramm schwere Stücke, die nachher kleingeschnitten wurden) aufgelegt worden waren, fing es an zu regnen. Aus diesem Grund luden wir die heißen Kohlen auf Backbleche und stellten sie unter die Überdachung, was sich später als nicht so schlau herausstellte, denn die Keramikplatten zersprangen. Als dann endlich die ersten genießbaren Stücke Fleisch gegen elf Uhr fertig waren, lagen die meisten Kinder schon mit dem Kopf auf den Tischen und waren eingeschlafen. Wir weckten dann alle Eingeschlafenen und servierten das Essen, das, obwohl wir echt lange warten mussten, richtig gut schmeckte. Um Punkt 12 wurde dann das eingekaufte Feuerwerk abgefeuert und man umarmte und beglückwünschte sich mit „Felicidades“, was man mit unseren Neujahrwünschen gleichsetzen konnte. Da die Kinder vollkommen erschöpft waren, gab es für diese erst am nächsten Tag die Bescherung. Wir Volontäre zogen uns in unser „cuarto“ zurück und begannen unseren Haufen, der echt den ganzen Tisch, den wir vorher noch mit unserem Adventskranz und einem „Mini-Plastickbaum“ beschmückt hatten, bedeckte, nacheinander auszupacken. Obwohl ich soweit weg von der Heimat war, hatte man nun doch bei immer noch 26 Grad eine richtige Weihnachtsstimmung. Von den anderen habe ich einen Kräuterlikör, einen Schlafsack, ein Hemd, einen Bierkuchen und ein Taxischild, das ich auch Simon geschenkt hatte, bekommen. Simon und ich haben dann noch eine beschriftet Styroporkiste bekommen, in der wir unser gekühltes Bier aufbewahren können. Gegen zwei Uhr hatten wir auch alle Geschenke ausgepackt und haben uns zu den einzigen zwei noch wachen Personen, Claudia und Lorenza, gesetzt und ihnen die Geschenke überreicht. Von den beiden habe ich dann noch ein Hemd, ein Poloshirt, eine Kette und einen Schlüsselanhänger geschenkt bekommen. Simon und ich sind dann noch mit der neuen „Bierkiste“ bis fünf Uhr morgens geblieben, obwohl wir am nächsten Morgen um sieben Uhr schon wieder bei den Babys aushelfen mussten, da das Personal im Urlaub war.
Ich kann auf jeden Fall sagen, dass es ein richtig schönes, spontanes und typisches bolivianisches Weihnachtsfest war, dass statt Sonne oder Schnee, Regen zu bieten hatte und ich mich wie in einer zweiten Familie gefühlt habe. ¡Feliz Navidad!

Den Grill auf Temperatur bringen


Die Kinder warten sehnsüchtig auf das Essen.



So gegen 11 gab es dann doch noch etwas.

Feuerwerk an Heiligabend?


Vollgepackter Weihnachtstisch

Simon und ich hatten dieselbe Idee: ein Taxischild!



Enorm starke Gummistiefel

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