FSJ in Santa Cruz de la Sierra

FSJ in Santa Cruz de la Sierra

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Weihnachten 2011 - ein echt spontanes Fest

Zu diesem Zeitpunkt komme ich dann zum 24. Dezember, auf den man sich dann doch etwas schneller hinzubewegt hatte, als gedacht. Ich muss sagen, dass die Adventszeit dieses Mal wesentlich schneller herumging als gedacht und es wesentlich schwieriger ist Geschenke für 30 und mehr Leute als für die eigene Familie zu finden, an die man schon Mitte Oktober denken musste. In den letzten beiden Tagen stand deshalb für alle von uns, vor allem für mich, da ich die bolivianische Gelassenheit schon ziemlich intus habe, einiges auf dem Programm. Noch immer waren nicht alle T-Shirts für die Kinder bemalt, hatte man weder Ideen, geschweige denn Geschenke für die anderen Volontäre oder die Profes und wir hatten uns vorher darauf geeinigt, allen anderen Mitarbeitern und den Schwestern ebenfalls kleine Geschenke zu überbringen. Da wir schon vorher einige Male Plätzchen gebacken hatten, wurden die Mitarbeiter mit drei unterschiedlich Plätzchen beschenkt (700 Ausstecher, die wahlweise mit Streuseln oder Schokolade bestrichen wurden, „Marmeladenrollen“ und Marzipankartoffeln). An Heiligabend selber habe ich noch einige Geschenke fertig stellen und einpacken müssen, da mir die Zeit davongerannt war.
Wir wollten diese Nacht auch etwas ganz besonderes für die Kinder machen, und da das Essen in Bolivien immer an oberster Stelle steht, wollten wir Schwein und Hühnchen grillen und dazu unterschiedliche Salate, Yukka und Reis anrichten. Bis auf das Fleisch und den Yukka, den Claudia und ich noch an Heiligabend am Terminal abholen mussten, weil dies von der Schwester von Lorenzo per „Flota“ eingefahren worden war, hatten wir alle Einkäufe in den Vorweihnachtstagen erledigt. Alles war eigentlich genau durchgeplant: um 18 Uhr mit der Zubereitung der Salate und dem Anzünden der Kohlen beginnen, entweder um 20 oder 22 Uhr den Gottesdienst besuchen, um Mitternacht ein Feuerwerk abfeuern und danach Geschenke verteilen. Bis auf das Vorletzte klappte nichts, wie es eigentlich sein sollte. Da die Profes selber auch noch an Heiligabend (alle Geschäfte haben ganz normal geöffnet und man konnte noch am Abend selber an der Tienda an der Ecke Bier kaufen) auf Einkaufstour waren, wurde mit der Zubereitung erst gegen halb neun angefangen. Da auch die Schwester nicht aufzufinden war, wurde die 20 Uhr Messe gestrichen und nur die Ältesten besuchten in die 22 Uhr Messe (ich habe es augrund der Essenzubereitung gar nicht geschafft in die Kirche zu kommen). Meine Aufgabe bestand darin die Kohlen auf dem Betonboden anzuzünden, denn es gab kein echten Grill, sondern nur ein Rost, der auf Steine gelegt wurde. Dies stellte sich jedoch als wesentlich schwieriger heraus als gedacht, da es ziemlich windete und das Feuer eine große Attraktion für die Kinder war, die, während ich versuchte sie von dem Grill fern zu halten, an der Glut ihre Feuerwerkskörper, die sie von der Hermana bekommen hatten, anzuzünden. (ich fand es ein bisschen gefährlich, wenn fünf-jährige mit Teppichen und Chinaböllern hantierten und diese ohne zu gucken, durch die Gegen warfen). Als dann endlich eine vernünftige Glut zustande gebracht worden war und die ersten Fleischbrocken (es gab keine Koteletts, sondern zwei - drei Kilogramm schwere Stücke, die nachher kleingeschnitten wurden) aufgelegt worden waren, fing es an zu regnen. Aus diesem Grund luden wir die heißen Kohlen auf Backbleche und stellten sie unter die Überdachung, was sich später als nicht so schlau herausstellte, denn die Keramikplatten zersprangen. Als dann endlich die ersten genießbaren Stücke Fleisch gegen elf Uhr fertig waren, lagen die meisten Kinder schon mit dem Kopf auf den Tischen und waren eingeschlafen. Wir weckten dann alle Eingeschlafenen und servierten das Essen, das, obwohl wir echt lange warten mussten, richtig gut schmeckte. Um Punkt 12 wurde dann das eingekaufte Feuerwerk abgefeuert und man umarmte und beglückwünschte sich mit „Felicidades“, was man mit unseren Neujahrwünschen gleichsetzen konnte. Da die Kinder vollkommen erschöpft waren, gab es für diese erst am nächsten Tag die Bescherung. Wir Volontäre zogen uns in unser „cuarto“ zurück und begannen unseren Haufen, der echt den ganzen Tisch, den wir vorher noch mit unserem Adventskranz und einem „Mini-Plastickbaum“ beschmückt hatten, bedeckte, nacheinander auszupacken. Obwohl ich soweit weg von der Heimat war, hatte man nun doch bei immer noch 26 Grad eine richtige Weihnachtsstimmung. Von den anderen habe ich einen Kräuterlikör, einen Schlafsack, ein Hemd, einen Bierkuchen und ein Taxischild, das ich auch Simon geschenkt hatte, bekommen. Simon und ich haben dann noch eine beschriftet Styroporkiste bekommen, in der wir unser gekühltes Bier aufbewahren können. Gegen zwei Uhr hatten wir auch alle Geschenke ausgepackt und haben uns zu den einzigen zwei noch wachen Personen, Claudia und Lorenza, gesetzt und ihnen die Geschenke überreicht. Von den beiden habe ich dann noch ein Hemd, ein Poloshirt, eine Kette und einen Schlüsselanhänger geschenkt bekommen. Simon und ich sind dann noch mit der neuen „Bierkiste“ bis fünf Uhr morgens geblieben, obwohl wir am nächsten Morgen um sieben Uhr schon wieder bei den Babys aushelfen mussten, da das Personal im Urlaub war.
Ich kann auf jeden Fall sagen, dass es ein richtig schönes, spontanes und typisches bolivianisches Weihnachtsfest war, dass statt Sonne oder Schnee, Regen zu bieten hatte und ich mich wie in einer zweiten Familie gefühlt habe. ¡Feliz Navidad!

Den Grill auf Temperatur bringen


Die Kinder warten sehnsüchtig auf das Essen.



So gegen 11 gab es dann doch noch etwas.

Feuerwerk an Heiligabend?


Vollgepackter Weihnachtstisch

Simon und ich hatten dieselbe Idee: ein Taxischild!



Enorm starke Gummistiefel

Die „ruhige“ Adventszeit

Wie man es auch aus Deutschland kennt, kommt das Weihnachtsfest dann doch in einem atemberaubenden Tempo auf einen zugeschossen, denn die Adventszeit, die immer 24 Tage hat, ist meistens doch schneller vorbei, als man es sich vorstellen kann. So erging es auch uns Volontären hier im heißen Bolivien.
Es fing alles mit der Vorbereitung der Geschenke für die Kinder an, bei denen einige am 5. Dezember, andere am 10. Dezember und wieder andere am 17. Dezember entweder über die Ferien oder für immer zu ihren Familien gehen sollte. Wir hatten im Vorhinein eine Liste von den Ninos bekommen, die sich an den genannten Tagen aus dem Heim verabschieden sollten, wobei sich diese später als vollkommen nutzlos herausstellte, denn es kamen am Ende doch vollkommen andere Eltern zu den „Abholzeiten“, als uns vorher bekannt war. Das wussten wir natürlich nicht und fingen eigentlich recht früh mit dem Bemalen von T-Shirts, beschreiben und bekleben von Karten und dem Einpacken von den Weihnachtsgeschenken an. Simon und ich mussten extra noch eine Nachtschicht (bis 4 Uhr morgens den Pinsel in der Hand halten) vom vierten auf den fünften einlegen, weil wir es sonst nicht geschafft hätten, alles rechtzeitig fertig zu bekommen. Wir waren also voller Zuversicht, dass wir alle Geschenke für die Kinder vorbereitet hatten, aber wir hatten mal wieder die Spontaneität der Bolivianer außer Acht gelassen und wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Leider hatten wir dann für einige Kinder kein Geschenk, dass wir ihnen in die Hand hätten drücken können, was echt traurig war. Was uns weiterhin ein bisschen fraglich vorkam, betraf das „Reunieren“ mit den Familien, bei denen viele Eltern oder Familienangehörige erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen worden waren. Die meisten Kinder waren zwar ein bisschen traurig, ihre Freunde, die Profes, uns und auch das Heim hinter sich zu lassen, aber sie waren auch voller Freude endlich wieder mit ihren Familien zusammen zu sein. Leider gab es auch ein paar Ausnahmen in denen die Kinder eigentlich nicht mit den Eltern, Onkel, Tanten oder Großmüttern zusammenziehen wollten, weil sie entweder schlechte Erfahrung hatten oder es ihnen auf jeden Fall besser im Heim gefällt. In manchen Fällen haben die Schwestern die Kinder aus Schutz auch nicht mit gewissen Eltern gehen lassen, weil sie ihnen skurril vorkamen, was ich echt eine gute Entscheidung fand, denn einige Gestalten sahen keines Falls vertrauenswürdig aus. Sie schienen sich auch irgendwie nicht richtig zu freuen, endlich wieder ihr Kind zu sehen. Vor allem eine Vater ist mir in Erinnerung geblieben, der sich vor das Sekretariat in einen Stuhl niedergelassen hat und die ganze Zeit durchgeschlafen hat, ohne auch nur einmal aufgeschaut zu haben (ich vermute, dass er noch vollkommen alkoholisiert war).
Neben diesen traurigen Momenten des Abschieds gab es aber auch etliche “Paseos” (Ausflüge) zu unterschiedlichen Veranstaltungen. Wir haben den “Acto navideno” der Stadt Santa Cruz besucht, wo zwei bekannte Jugendfernsehmoderatoren abwechselnd mit Künstler eine Show geliefert haben. Wir waren bei einer Universität aus der Nähe eingeladen, die Tanzspiele und ein Theaterstück inszeniert hatte und haben mit der ganzen Gruppe einen riesigen Weihnachtsbaum mit “selbstgebastelten” Christbaumschmuck aus Plastikflaschen (den hatten wir und die Profes den Tag vorher angefertigt) behängt. Auf den Exkursionen wurde man von dem Veranstalter sowohl mit Essen als auch mit Weihnachtsgeschenken für die Kinder vollgestopft, wobei letzteres meistens noch am Tag selber wieder zerstört wurde - die Jungs haben ihre Spielzeugautos durchs “Zusammencrashen” und die Mädels ihre Babypuppen durch das Abreißen von jeglichen Gliedmaßen kaputt bekommen. Vor allem in der Weihnachtszeit denken die Menschen immer daran Kleidung oder aussortierte Spielsachen an Heime abzugeben, was auch hier der Fall war. Fast zweimal Wöchentlich kamen reiche Leute aus Santa Cruz, das konnte man an den Autos feststellen, und haben eine “Donation” abgegeben. Beim Aussortieren konnte man jedoch meistens die Hälfte der Kleidung nicht gebrauchen, da sie entweder viel zu groß oder mit einigen Löchern versehen waren.

Divino Nino Jesus

Vor ein paar Wochen ist die gesamte Gruppe der Divino Ninos und Maria Reina aufgrund des Geburtstags des Divino Nino Jesus zu einer Familie aus dem Barrio eingeladen worden. Mir wurde zunächst gesagt, dass wir zu einem Eis eingeladen sind, was sich jedoch später als vollkommen untertrieben herausgestellte. Mit einem Pick-Up wurden die zwei Gruppen, die Profes und ich aufgeladen, um uns vier Blocks weiter vor dem Haus der Gastgeber wieder abzuladen. Ich hatte erst Angst, dass nicht alle Kinder hier Platz finden würden, denn das Haus bestand nur aus zwei Zimmern und einem Innenhof, aber ich irrte mich, denn es haben sich einfach zwei oder drei Kinder einen Stuhl geteilt. Für den Geburtstag des Dvino Nino Jesu wurde ein beschmückter Altar aufgebaut, an dem etliche T-Shirts und andere Preise, die man durch später durchgeführte Spiele gewinnen konnte, hingen. Zunächst einmal wurde jedoch zum Anlass des Cumple drei Rosenkränze, ein paar Ave Marias und das Vaterunser gebetet. Nachdem wir dann nach 15 Minuten fertig gebetet hatten, wurde die erste Runde Essen verteilt - Soda und Gelatine. Den ganzen Nachmittag und Abend ging es dann so weiter. Immer wieder unterbrechend durch Beten und Spiele für die Kinder (Eierlaufen, Reise nach Jerusalem, irgendwelchen Hüpf- und Tanzspiele und das laufen auf einem fiktiven Laufsteg, was vor allem bei uns Zuschauern zu einigen Lachkrämpfen führte) wurden wir mit Essen vollgestopft. Es gab Torte, Hotdogs, Kuchen, Empanadas, Cunapes, Soda, Wackelpudding usw. Am Ende des Abends habe selbst ich es nicht mehr geschafft, das Abendessen im Heim herunterzubekommen. Die Kinder waren meistens schon nach der zweiten Runde Essen vollkommen erschöpft, weshalb wir auf dem Heimweg singend und vollgepackt mit Plastiktüte auf den Hogar zusteuerten.
Ich war von der Familie richtig angetan, denn so eine Gastfreundschaft würde man in Deutschland nirgendwo finden. Meinem Eindruck nach zu urteilen, ging es den Gastgebern finanziell selber nicht so gut, aber trotzdem haben sie den Kindern zu Liebe diesen unvergesslichen Geburtstag mit reichlich Essen und Geschenken veranstaltet. Diese Mentalität und die Uneigenützigkeit der Menschen begeistert mich immer wieder und würde ich auch gerne für mich nach Deutschland mitnehmen.

Dienstag, 30. November 2010

Eine anstregende Woche

Vor ca. zwei Wochen hatten wir bei uns im Hogar zwei große Ereignisse, die gebührend gefeiert werden mussten - Aniversario (Geburtstag) des Heimes und die Promotion der Kinder. Diese Events erforderten natürlich auch von uns vollkommene Bereitschaft, weshalb wir auch sehr stark in das Programm eingespannt waren.
Am Mittwoch fand das 11. Aniversario des Heimes statt, wofür schon zwei Wochen vorher der gesamte Hogar auf Hochglanz gebracht wurde. Dies hieß, dass in allen Beeten Unkraut gezupft wurde, die Büsche gestutzt wurden, niedliche Steine weiß angestrichen und um die Beete gelegt wurden und der Comedor für zwei Tage nicht mehr betreten werden durfte, wodurch alle Mahlzeiten draußen eingenommen werden mussten. Sowohl für das Aniversario als auch für die Promotion wurden die einzelnen Klassenräume hergerichtet, was bedeutete, dass ich für meine Vorschulgruppe alle Ordner bestehend aus mehr als 250 Arbeitsblättern nach einem angeblich richtigen System lochen und sortieren durfte. Des Weiteren wurden alle je von den Kindern gebastelten, gemalten oder gehäkelte Gegenstände aus dem ganzen Jahr ausgestellt (es war echt eine Höllenarbeit, aber meine Profe und ich haben es doch noch rechzeitig geschafft). Am großen Tag selber wurden alle Kinder in ihre beste Kleidung gesteckt und es fand nachmittags eine Messe statt, wo auch die Frauen von „Asumer“, ein Spenderkreis, der das Heim unterstützt, dran teilnahmen. Nach dem festlichen Akt wurden dann noch die hergerichteten Klassenräume vom Besuch inspiziert, bevor es zum Essen ging. Es gab eine große Torte und Soda (Cola, Fanta, Sprite). Wir Freiwilligen hatten uns eigentlich etwas mehr erhofft, weil uns schon lange vorher von dem Jahr davor berichtet wurde, wo es wohl Hühnchen und alle möglichen Leckereien gegeben haben soll, aber es lag vielleicht doch eher an dem runden Geburtstag. Ebenfalls etwas schade fand ich es, dass die Kinder warten mussten, bis der Besuch alle Klassenzimmer angeschaut hatte, bevor es zum Essen ging. Hier durften sich die älteren Herrschaften dann schon einmal an die gedeckten Tische setzen und als die Kleinen dann auch endlich das Essen vor sich hatten, verabschiedeten sich schon die Frauen aus der gehobenen Gesellschaft. In dem Moment hätte ich mich echt aufregen können, weil ich es eine Frechheit fand, die Kinder über 20 min warten zu lassen, bevor sie sich auch zum Essen begeben konnten. Aber vielleicht ist das ein Zeichen der Gastfreundschaft, die die Bolivianer so pflegen.



















Am Freitag fand stand dann das nächste Großereignis auf dem Programm - Promotion des Vorschulkurses Kinder, die im folgenden Jahr dann die erste Klasse besuchen dürfen. Hierfür wurden wir Volontäre schon Wochen vorher befragt, ob wir nicht ein Teil der Kosten mittragen möchten. Wir einigten uns darauf, die Kinder aus dem Heim finanziell zu unterstützen, da wir es nicht einsahen, auch die Kinder von außerhalb zu finanzieren - ich meine 100 Bolivianos pro Kind sind schon eine Stange Geld, wenn man bedenkt, dass insgesamt 25 daran teilnahmen. Dieses Geld wurde vor allem für die schicke Kleidung (Hut, Robe und Krawatte, wie in den amerikanischen Promotionen), Getränke, Essen und das Highlight, ein Bild auf dem alle Kinder, die Profesora und die Spender, darunter auch wir, auf einem kitschigen Hintergrund zu sehen waren, verwendet.
Am Abend vor der Promotion, welche in der Kapelle stattfinden sollte, wurde diese noch nach dem Motto „Wunderland“ hergerichtet, was hieß, dass etliche Styroporfiguren, Blumen und Bäume aufgestellt wurden, was am Ende ziemlich kitschige aussah, aber meiner Profe ähnlich sah. Die Verleihung selber fand wie in amerikanischen Filmen ab. Zunächst gingen die Pre-Kinder nach vorne und nahmen auf der Tribüne Platz. Die Ausgezeichneten wurden dann entweder von ihren Eltern oder uns Freiwilligen nach vorne geleitet, dort mit einem Handschlag und einer Umarmung von den Pre-Kindern begrüßt und zum Schluss von der Profe gratuliert, die dann auch noch jedem einzelnen dieses Bild als Andenken, das Zeugnis und eine Blume übergab. Während der gesamten Zeit liefen die Zuschauer durch die Gegend, schossen wie verrückt Fotos, um diesen einen besonderen Moment ihres Kindes festzuhalten, und versuchten durch Gesten ihre Kinder, die vorne auf der Bühne Platz genommen hatten, zu züchtigen, was in keins der Weise funktionierte. Zum Ende hin trugen sowohl die Pre-Kinder als auch Kinder ein Lied und ein Gedicht vor, was Wochen vorher im Unterricht bis zum Erbrechen auswendig gelernt worden war, und es wurde nach einer kleinen Rede der Profesora eine große Fotografie mit allen Promovierenden an das Heim übergeben. Als dann die Feierlichkeiten zu Ende waren wurden noch Fotos von den Kindern geschossen und im Nachhinein bereute ich es ein bisschen, dass ich eine Kamera dabei gehabt hatte, denn alle Eltern, die keine besaßen, kamen zu mir, um zu fragen, ob ich denn nicht ein paar Fotos von ihren Schützlingen schießen würde (meistens kam dann ein Solofoto, eines mit den Geschwistern, eines nur mit Bruder oder Schwester, eines mit Oma, eines mit Großeltern, und allen anderen sich vorstellbaren Konstellationen dabei heraus). Die Promotion endete dann mit dem Verspeisen von den Sodas und Saltenas.







































Parque Amboró

Letztes Wochenende haben sich mal wieder vier Maz, dieses Mal Katha, Simon, Sunny und ich uns auf den Weg nach Samaipata gemacht. An diesem Wochenende sollten jedoch keine alten Ruinen und auch keine Wasserfälle, sondern der drittgrößte Nationalpark Boliviens erkundet werden. Samstagmorgen wollten wir eigentlich die Tour planen, damit wir uns Sonntag ausruhen konnten, aber das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schon in der Nacht fing es aus allen Eimern heraus zu gießen, was sich leider bis in den Nachmittag des nächsten Tages hineinzog. Alle Touranbieter versicherten uns, dass man an dem heutigen Tag keine Chance hätte den Park zu betreten. Wir entschieden uns also gezwungenermaßen den Tag anderweitig zu gestalten. Wir lasen Bücher, spielten Libretto & Co und genossen es endlich mal wieder einen funktionierenden Ofen zu haben. Aus der Not heraus backten wir zwei uns noch bekannte Gerichte aus Deutschland - meine Spezialität Kartoffelgratin und Nudelauflauf.

Am Sonntag ging es dann in den Dschungel, um genauer zu sein in subtropisches Gebiet, um uns die Farne im Parque Amboró anzugucken. Um neun Uhr morgens fuhr unser kleiner Reisebus, der neben uns noch mit einem Reiseführer und 2 Engländern bestückt war, los. Im Park selber, der gute 30 min. von Samaipata beginnt, haben wir dann 6 Stunden damit verbracht, uns auf teilweise sehr glitschigem Boden bergauf und bergab zu bewegen, um uns Farne, verschiedene Tiere (Vogelspinne, Würmer, Vögel und Frösche) und die wunderschöne Landschaft zwischen den Baumgipfeln anzuschauen. Mit dem „Führer“ hatten wir richtig Glück, denn er war die ganze Zeit richtig gut drauf, hat einen Witz nach dem anderen gerissen und kannten sich nebenbei noch mit der Flora und Fauna aus. Da der Weg zu rutschig war, hat sich jeder mindestens einmal „gemault“, was eigentlich ein Cerveza am Abend bedeutet hätte. Nach den paar Stunden im Dschungel ging es dann abends wieder auf den Heimweg und diesmal hat sich auch keiner beklauen lassen.

Samstag, 6. November 2010

Vorgeschmack auf Karneval

Hier einmal ein kleiner Post ein Sachen Karneval in Bolivien, speziell in Santa Cruz, der wohl im Februar viel anders als in Deutschland ablaufen wird.

Letzte Woche war es mal wieder unglaublich heiß, d.h. immer so um die 35 Grad, was einem ohne Swimmingpool oder ähnlichem in der Nähe echt zu schaffen machen kann. Deshalb habe Simon und ich uns kurzerhand entschieden eine Wasserrutsche, die irgendwo in unserem Haus sein sollte aufzubauen. Als wir dann eine rutschenähnliche Plane gefunden hatten, stellte sich heraus, dass diese zu einem Schwimmbecken gehört, wodurch unsere ganze Idee über den Haufen geworfen wurde. Die Hitze konnte man jedoch wirklich nicht ausstehen, weshalb wir einfach einen Gartenschlau anschlossen, womit sich zunächst die Kinder, dann wir Voluntarios und später auch die Profes nass gespritzt haben. Irgendwann artete diese eigentlich schon beendete Wasserschlacht aus, als wir Lorenza in der Levanderia überraschten und ihr einen Eimer Wasser über den Kopf gossen. Als Revanche wurde Simon dann mit dem Dreckswasser der Wasserfarbe übergossen - hier nun ein kleine Abstecher in Sachen Karneval in Bolivien, speziell in Santa Cruz. Im Februar wird drei tagelang durchgehend gefeiert, es gibt etliche Fußgruppen und es wird nicht wie bei uns mit Bonbons geschmissen, sondern man bespritzt sich mit Wasser und Farbe aller Art, wodurch man dementsprechend auch aussieht - Auf jeden Fall haben wir, nachdem Simon auch noch Wasserfarbe ins Gesicht geschmiert wurde, das nicht auf uns sitzen lassen und bewaffneten uns mit Fingermalfarbe und die Profes mit irgendeiner uns bis dahin nicht identifizierbaren Farbe. Es gab einen kleinen "lucha", bei dem es galt möglichst alles von der anderen Person zu verdrecken (Gesicht, Haare, Anziehsachen). Kurz darauf versuchten wir dann die Farbe abzuwischen, was mir eine 30-minütige Dusche erbrachte, denn Claudia und Lorenza hatten netterweise schwarze und blaue Schuhcreme benutzt, welche sich als echt hartnäckig herausstellte. Abschließend kann ich sagen, dass ich mich jetzt schon auf die Karnevalszeit freue, denn spätestens dann werden wir uns revanchieren.










Mittwoch, 3. November 2010

Halloween

Noch eben bevor es ins Bett geht ein kleiner Eintrag in Sachen Halloween. Ich weiß ja selber, dass es sich hierbei um ein heidnischen Fest handelt, aber das hat uns nicht davon abgehalten dies auch im katholischen Hogar zu feiern.
Die Kinder wussten über andere Freiwillige zum Teil sogar schon Bescheid, was aber trotzdem hieß, dass es immer etwas besonderes ist. Nachdem wir zwei Tage lang Kürbisse eingekauft hatten (an beiden Tagen waren wir nur zu dritt und man kann sich gar nicht vorstellen, wie schwer solche Kürbisse sein können). Zum Schluss hatten wir zehn runde Kürbisse zusammen, welche auf die Häuser verteilt wurden. Ich muss, damit sich auch keiner gleich bei den Fotos erschreckt, anmerken, dass wir leider nur grüne "calabazas" auf dem Markt gefunden haben bzw. die Orangenen sich nicht zum Aushöhlen eigneten.
Am Nachmittag wurden die "grünen Riesen" dann von den Kindern ausgehöhlt








und meine Profe und ich haben es uns nicht nehmen lassen, die Gesichter einzuritzen, denn sonst hätten sich die Jungs mit Sicherheit mit den Messer umgebracht.




Die Kinder mussten jedoch noch bis zum Abend warten, damit die Kürbisse im Dunkeln auch ihre wahre Pracht ausstrahlen konnten. Dafür wurden die Jungs jedoch mit Süßigkeiten auf die Nacht vertröstet.
Als es dann soweit war, brüllten alle meine Jungs, während die Kürbisse in den Innenhof getragen wurden, lauthals "Halloween, Halloween, Halloween".




Kurzerhand beschlossen die Mädels dann noch eine kleines Theaterstück aufzuführen, wovon wir Jungs überhaupt nichts wussten. Dabei nahmen die Mädels die Persönlichkeiten von uns Jungs ein und versuchten uns detailgetreu nachzuspielen, was ein sehr lustiges Bild abgab. Spontan wurden dann auch wir männlichen Volontäre, jeweils ein Mädchen vertretend, zum Theaterspielen aufgefordert, was die Kinder vollkommen aus dem Häusschen brachte.
Zum Abschluss wurde noch die letzte "dulce" an die Kinder überliefert und wir brachten einen gelungen Abend mit ein paar Bierchen zu Ende.